Archiv

Klöndör-Foren 2003

26. Februar: Mecklenburg im Lichtbild von Karl Eschenburg
Referent: Volker Jahnke, Mecklenburgisches Volkskundemuseum Schwerin-Mueß
Die Bilder des Rostocker Fotografen (1900 – 1947) begeistern durch technische Perfektion und außerordentliche Bildqualität. In dem Vortrag ging es nicht nur um die schönen Fotos, sondern es wurde nachgefragt, warum bestimmte Themen immer wiederkehren – alter Bauer, Bauernhaus, Tracht – und warum Eschenburgs Fotos im 3. Reich derartige Popularität erreichten.
Mit diesem Forum startete die Reihe der Vorträge des Klöndör-Vereins im Schleswig-Holstein-Haus in Schwerin.

24. September: Die Bilderwelt der kleinen Leute
Referent: Henry Gawlick, Direktor des Museums der Stadt Hagenow
Truhenbilder gehören zu den ganz seltenen authentischen Quellen, die die Tür zur „Bildergalerie der kleinen Leute“ öffnen. Gawlick entdeckte bei seinen Forschungen zum Mobiliar in Mecklenburg und Vorpommern 50 dieser volkstümlichen Grafiken unterschiedlicher Gattungen in den Deckeln von 24 Truhen. Sie stammen aus der Zeit von  1708 bis 1860/70. Ihre Motive reichen von frommen Bildern über Fürstenporträts bis hin zu Liebesbriefen und Darstellungen des großen Brandes von Hamburg im Jahre 1842. Seine Erkenntnisse veröffentlichte Henry Gawlick in dem 2001 bei Hinstorff erschienenen Buch „Die Bildergalerie der kleinen Leute“.

26. November: Heinzelmänner, Poltergeister, Petermännchen
Referent:  Dr. Christoph Schmitt, Leiter des Rostocker Instituts für Volkskunde (Wossidloarchiv)
Als Schutzgeist des Schweriner Schlosses ist das Petermännchen hierzulande eine überaus populäre Sagengestalt. Wie seine Karriere in den mecklenburgischen Sagenausgaben zeigt, trug es die Keime seiner heutigen Vermarktung schon früh in sich. Das Petermännchen ist „merkwürdiger“ als die Heinzelmänner und Poltergeister anderer Regionen, weil es höheren Aufgaben dient. Doch auch darüber hinaus trägt es seltsame Einzelzüge. Obwohl der Hausgeisterglaube weit verbreitet ist und sich Reminiszenzen an ihn, wie in der Kinderliteratur (z.B. dem Pumuckel), bis heute erhalten haben, gibt der mecklenburgische Kobold der Erzählforschung manches Rätsel auf. Herkunft und ältere Überlieferung des Stoffes sind vielfach nebulös.
Der Vortrag zeigte in seinem ersten Teil das heute gesicherte Wissen der Petermännchen-Forschung auf. Die ältere Forschung fühlte sich herausgefordert, Licht in das Dunkel der Hausgeist-Erzählung zu bringen. Dabei war sie vielfach auf Deutungen angewiesen. Auch wir können viele der damaligen Fragen nicht beantworten. Aber wir vermögen die damaligen Deutungsmuster zu entlarven, die sich vornehmlich an der „Deutschen Mythologie“ Jacob Grimms orientierten. In dem Vortrag ging es insbesondere um den Forschungsbeitrag Richard Wossidlos, der in Petermännchen einen slawischen Gott sah. Der Stoff faszinierte ihn so sehr, dass er seine zahlreichen Feldbelege und die von ihm ausgezogenen älteren Quellen in einer eigenen Monographie behandeln wollte. Dazu kam es nicht mehr, nicht zuletzt, weil das Vorhaben dem Nazi-Regime nicht genehm war. Was erbrachten die Sammelarbeit und Forschungen Wossidlos für die einzelnen Petermännchen-Redaktionen und ihre Beziehung zu größeren Sagenkreisen, wie den Zwergen-, Erlösungs- und Schatzsagen? Wie ist Wossidlos Deutungsversuch aus heutiger Sicht zu bewerten? Haben wir alternative Deutungen zu bieten? Welche Fragen sollten wir an den Sagenkreis vom Petermännchen stellen? All diese Fragen suchte der Referent in seinem Vortrag zu beantworten.

 

Klöndör-Foren 2004

25. Februar: Garwitz – ein Lewitzdorf, fotografiert vor 100 Jahren
Referent: Volker Janke, Mecklenburgisches Volkskundemuseum Schwerin-Mueß
Vortrag mit historischen Fotos. Die colorierten Lichtbilder fertigte der Lehrer Wilhelm Schröder (1869 – 1947) aus Garwitz bei Parchim, später Grevesmühlen, zwischen 1901 und 1936. Sie geben einen authentischen Einblick in das Dorfleben und von der Dorfgestaltung mit interessanten volkskundlichen Details. Die Dias befinden sich im Besitz des Mueßer Museums.

26. Mai: Diebsgesindel, Vaterlandsverteidiger, Putschisten
Referent: Dr. Bernd Kasten, Direktor des Stadtarchivs Schwerin

29. September: Ausgegrabene Töne – archäologische Funde von Musikinstrumenten im Ostseeraum
Referentin: Merit Zloch, Greifswald
Die Ur- und Frühgeschichtlerin stellte Funde von Instrumenten vor, die nach ihrer Definition in der Lage sind, mehr als drei Töne hervorzubringen. Das Spektrum in unserem Land reicht dabei von Maultrommeln des 13./14. Jahrhunderts über Rohrblattinstrumente ab 1247, Spielpfeifen am Dudelsack, Holzflöten bis hin zu Knochenflöten, von denen bisher 22 aus dem Land bekannt sind. Steg- und Wirbelfunde weisen auf Saiteninstrumente hin. Die interessante Vorstellung der oft geringfügigen Reste stellte die Referentin in Beziehung zu historischen und bildlichen Quellen.

 

Klöndör-Foren 2005

30. November: Beharrung und Wandel – Brauchtum in Südmecklenburg
Referent: Dr. Wolfram Hennies
Brauchtum schafft Erinnerung, Erinnerung sorgt für Gewohnheit und Gewohnheit bewirkt Geborgenheit. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Das Überschreiten von etablierten Grenzen, die Möglichkeit, seinem Vorgesetzten den Schlips abzuschneiden oder eine Gruselmaske in das Fenster zu stellen, sind sehr beliebte Möglichkeiten, einmal ungestraft in eine andere Rolle zu schlüpfen. Um den versteckten Sinn von Bräuchen besser verstehen zu können, lassen sich Brauchkomplex anhand ihrer charakteristischen Bestandteile analysieren. Hierzu gehören die Brauchträger oder die Akteure, die Zeit und der Raum, aber auch die Requisiten und die letztliche Funktion. Wenn man um diese Hintergründe weiß, fällt das Erkennen von Bräuchen und Ritualen leichter. Da sich alle diese Bestandteile verändern können, ist auch das Brauchtum ständigem Wandel unterworfen. So führten im 19. Jahrhundert die Folgen der Industrialisierung zur Aufgabe vieler Bräuche.
Der Wandel, der sich seit 1989/90 vollzogen hat, fand im Vortrag besondere Berücksichtigung. So verschwanden mit der Wende die sozialistische Namensgebung und Eheschließung; das Halloween-Spektakel und das Setzen eines Kreuzes am Straßenrand für ein Unfallopfer kamen hinzu. Anderes wiederum erfuhr eine Veränderung: so blieb das Maibaumsetzen am 30. April, der politische Umzug am 1. Mai entfiel.
Was ist an einem Brauch traditionell? Wann ist ein Brauch regional? Wieso finden die einen Halloween toll und die anderen nicht? Auf diese und viele andere Fragen gab es in dem reich bebilderten Vortrag Antworten.

 

Klöndör-Foren 2006

22. Februar: Zur Kulturgeschichte der Bildpostkarte
Referent: Dr. Ralf Wendt
Das Mecklenburgische Volkskundemuseum verfügt heute über einen Bestand von mehr als 18.000 Bildpostkarten, zumeist mecklenburgischer Herkunft. Der Vortrag gab anhand von ca. 60 ausgewählten Beispielen einen Überblick über die Kulturgeschichte der Bildpostkarte, deren Blütezeit der Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert war.

31. Mai:  Welch herrliches Helldunkel!.  Die Frühzeit der Photographie in Mecklenburg
Buchpräsentation des Thomas-Helms-Verlags Schwerin zum gleichnamigen Buch des Rostocker Gymnasiallehrers und Erforschers der mecklenburgischen Photographie Wolfgang Baier (1889-1968)
Referenten: Dr. Sandra Schwede, Thomas Helms, Volker Janke

27. September: Geister – Götter – Teufelssteine
Referent: Dr. Hartmut Schmied

29. November:  Bilder in Märchen und Märchen in Bildern
Referent: Dr. Andreas Röpcke, Direktor des Landeshauptarchivs Schwerin
Märchen waren und sind zuerst Geschichten, erzählte, vorgelesene Geschichten. Der Vortrag zeigte am Beispiel zweier Märchen aus der Sammlung der Gebrüder Grimm, wie Bilder zu den Märchentexten fanden, wie sie sich entwickelten und schließlich verselbständigten.

 

Klöndör-Foren 2007

28. Februar:  Ferne Welten, fremde Tiere. Die zauberhaften Bilder der Laterna magica
Dem Klöndör e.V. ist es gelungen, mit Fördermitteln von Stadt und Land eine umfangreiche Sammlung von Projektionsgeräten und mehr als 1000 Laterna-magica-Bildern aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert zu erwerben. Sie wurde von einem Hildesheimer Privatsammler zusammengetragen und dürfte zu den größten ihrer Art in Norddeutschland gehören. Volker Janke, Mecklenburgisches Volkskundemuseum Schwerin-Mueß, gab in seinem Lichtbildervortrag erstmalig einen Überblick über die umfangreiche Sammlung.

30. Mai: Brigaden, Kollektive und Nina am Strand. Die Betriebsfotogruppe des VEB Hydraulik Schwerin
Die  Schwerinerin Christina Büch spürte im Rahmen ihrer Magisterarbeit an der Humboldt-Universität Berlin Teile des Fotoarchivs der einstigen Betriebsfotogruppe des Hydraulikwerks auf. Betriebsfotogruppen waren in DDR-Großbetrieben keine Seltenheit. Als „Arbeiterfotografie“ bezeichnet, reicht die Tradition bis in das frühe 20. Jh. zurück. Nur in wenigen Fällen sind derartige Archive jedoch überliefert. Das Fotoarchiv der Schweriner Hydrauliker wird im Volkskundemuseum Schwerin-Mueß aufbewahrt.

 26. September:  NS-Alltagskultur in Mecklenburg-Vorpommern zwischen 1933 und 1945
Heute weitgehend unbekannte Zeitdokumente stellte Dr. Ralf Wendt in seinem Lichtbildervortrag vor. Anhand von ausgewählten Fotografien, Postkarten, Flugblättern, Kalendern, Zeitungen, Zeitschriften und Büchern zeigte er, wie eng die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse dieser Jahre mit dem Alltag vieler Menschen verknüpft waren und diesen prägten.

28. November:  Ein dreidimensionaler Blick in die Geschichte
Annelen Karge, Kulturhistorisches Museum Rostock, stellte das Rostocker Kaiserpanorama vor.
Der geniale Fotograf und Erfinder August Fuhrmann hatte um 1900 die Idee, hochaktuelle Bilder aus aller Welt öffentlich vorzuführen. Er schuf ein neuartiges Unternehmen – das Kaiserpanorama. Das eigentlich Spektakuläre: die Bilder waren dreidimensional und in lebendigen Farben coloriert.  Und das zu einer Zeit, in der es noch nicht einmal Fotojournalismus gab. In Rostock befindet sich heute die weltweit zweitgrößte Sammlung von Original Stereo-3D Dias. Das Kaiserpanorama bot bis zu 25 Personen Platz für die optischen Reisen.

 

Klöndör-Foren 2008

27. Februar:  Baumzeit. Ein kulturgeschichtliches Porträt heimischer Bäume
Der Referent Michail Schütte, Bildhauer und Grünholzgestalter aus Nieperfitz bei Dannenberg, berichtete in Wort und Bild über die traditionelle Nutzung von  Bäumen und Gehölzen, über bekannte und unbekannte Mythen und Bräuche sowie die unlösbare Beziehung zwischen Mensch und Baum.

28. Mai:  Pferdesport und Kavallerie in Mecklenburg bis 1939
Bernd Wollschläger, Archäologe und Historiker aus Ludwigslust, gab einen Abriss über die Entwicklung des Pferdesports in Mecklenburg. Vor 1900 stand das Pferd im Mittelpunkt aller Vorgänge des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und militärischen Lebens. Den ersten Platz im Pferdesport nahm der Rennsport ein, die ersten Pferderennen in Mecklenburg fanden 1822 in Doberan statt, kleine Rennplätze gab es später auch in Wittenburg und Ludwigslust. Der Turniersport kam in Mecklenburg erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg auf.

24. September:  Der Kaiser rief und alle kamen. Propagandamittel im Ersten Weltkrieg
Gesine Kröhnert, Leiterin des Mecklenburgischen Volkskundemuseums Schwerin-Mueß, gab im Klöndör-Forum zu der Sonderausstellung „Mecklenburg und der Erste Weltkrieg“ Denkanstöße zum Thema Kriegspropaganda und Kriegsrealität.

26. November:  Allezeit treu bereit! Mecklenburgs Schüler im Ersten Weltkrieg
Dr. Herman Langer, Bad Doberan, ist durch seine publizistische Tätigkeit zur Geschichte des Nationalsozialismus, speziell zur nationalsozialistischen Schul- und Jugenderziehung bekannt. In seinem Vortrag stellte er die Erziehung zu Patriotismus und Heroisierung des Krieges im kaiserlichen Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg dar.

 

Klöndör-Foren 2009 

4. Februar: Mecklenburgische Soldatenschicksale im Ersten Weltkrieg: Karl Axel und Ernst Ludwig v. Monroy
Referent: Karsten Richter, Landesgeschäftsführer des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V.
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs zogen rund 8000 Mecklenburger und ihre Regimenter als Teil der preußischen Armee „ins Feld“. Der Großteil von ihnen kämpfte im Verbund der 17. Division zusammen mit Holsteinern und Hanseaten aus Lübeck und Hamburg auf den Kriegsschauplätzen in Nordfrankreich.
Viele der Soldaten fanden ihre letzte Ruhestätte auf den großen Kriegsgräberfeldern, die der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge nach dem Krieg in Frankreich angelegt hatte. Noch heute, 90 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs, werden sie durch die Kriegsgräberfürsorge betreut.
Der Referent berichtete über die mecklenburgischen Kriegsteilnehmer Karl Axel und Ernst Ludwig von Monroy, über die Organisation und Struktur des mecklenburgischen Militärs vor 1914 und im Krieg sowie über die Soldatenfriedhöfe in Nordfrankreich.

25. Februar:  Er liebt mich, er liebt mich nicht…  oder die Sprache der Blumen
Referentin: Alexandra Kahl, Initiatorin der „Spinnstube“ des Klöndör-Vereins im Freilichtmuseum

25. Mai:  Seidenbau in Mecklenburg
Referent: Volker Janke, Volkskundemuseum Schwerin-Mueß

30. September:  Volkes Blick auf die Pflanzenwelt
Referent: Dr. Christoph Schmidt, Leiter des Instituts für Volkskunde, Universität Rostock

25. November: Anfang und Ende des Bauens in Schwerin 1933 bis 1945. Zwischen Festhalle und Straßenbahndepot
Zahlreiche Gebäude wurden in dieser Zeit in Schwerin geplant und gebaut von Architekten, die mit ihrer Arbeit dem nationalsozialistischen System huldigten. Was sie aussagen sollten, wann und warum sie entstanden, das erklärte Prof. Dr. Sabine Bock in ihrem Vortrag. Die Nationalsozialisten wollten ihre große Zeit auch äußerlich gestalten, Worte aus Stein schaffen, so Prof. Bock. Repräsentative Plätze für Machtdemonstrationen seien ein zentrales Thema gewesen.   Ihr Fazit: „Schwerin wurde in den Jahren 1933 bis 1945 durch die hochtrabenden Baupläne der Machthaber oder den Krieg nur wenig zerstört. Die bauliche Zäsur nach 45 war wesentlich einschneidender.“

 

Klöndör-Foren 2010 

25. Februar:  Auf dem Weg zum Lieben Gott
Herbert Remmel, Pinnow, gewährte in einem Dia-Vortrag einen Einblick in die oft turbulente und kuriose Kulturgeschichte der Kirchsteige in Mecklenburg.

14. April:  Ein Architektenleben zwischen Krieg und Frieden und der Turm auf Kaninchenwerder
Nils Hamann, Brahlstorf, stellte seinen Vorfahren, den Schweriner Architekten und Stadtbaurat Gustav Hamann (1852-1919) vor, dem u.a. der Aussichtsturm auf der Insel Kaninchenwerder im Schweriner See zu danken ist.

30. Juni:  Waldglas in Mecklenburg. Geschichte und Geschichten zwischen Natur und Industrialisierung
Dr. Jürgen Lewerenz vom Mecklenburger Waldglasmuseum e.V. gab einen historischen Abriss der Waldglasherstellung in Mecklenburg in Korrespondenz mit der Ausstellung „Waldglas – Glaskunst“ im Schleswig-Holstein-Haus.

29. September: 40 Jahre Freilichtmuseum. Ein Rückblick
Artur Hazelius, Philologe, Volkskundler und Begründer des 1891 gegründeten Schwedischen Freilichtmuseums Skansen, das heute zu den größten der Welt gehört, konstatierte: „Es kann der Tag kommen, da all‘ unser Gold nicht reicht, uns ein Bild von der entschwundenen Zeit zu formen.“ Im skandinavischen Raum wurde schon Mitte des 19. Jahrhunderts erkannt, dass Bauernhäuser und Volkskultur gefährdet sind und erhalten werden müssen. So entstand die Idee für Freilichtmuseen. Hier werden historisch wertvolle Gebäude in ihrer Gesamtstruktur erhalten, so dass man sich ein lebensnahes Bild über das vergangene Alltagsleben machen kann.
Am 28. Juli 1970 wurde im Schweriner Ortsteil Mueß ein aufwändig sanierter und museal eingerichteter Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert  öffentlich gemacht. Dies war der Geburtstag der heute über 6 Hektar umfassenden Museumsanlage.
Anhand von Fotografien und Filmaufnahmen zeichnet Gesine Kröhnert, heutige Leiterin des Museums, einen kleinen Rückblick auf die Museumsgeschichte und die Geschichte der Sammlungen und Ausstellungen des Mecklenburgischen Volkskundemuseums. Gleichzeitig war der Vortrag eine Hommage an die Volkskundler unseres Landes, die  ihre Spuren in diesem Museum hinterlassen haben beziehungsweise noch daran arbeiten.

24. November:  Schwerin, schön wie nie …
Schwerin gehört zu den wenigen größeren Städten Deutschlands, die im Zweiten Weltkrieg nahezu unzerstört blieben. Dennoch gab es nach 1945 und vor allem nach Gründung der DDR 1949 viele Bauaufgaben zu bewältigen. Zunächst fehlte es vor allem an Wohnungen, hatte sich doch durch den großen Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen die Einwohnerzahl der Stadt nahezu verdoppelt. Und es galt, die Landeshauptstadt bzw. ab 1952 die Bezirksstadt gemäß den neuen politischen Vorstellungen zu gestalten. Die änderten sich im Laufe der Jahre, und so auch die Baupläne …  Was zwischen 1945 und 1961 in Schwerin geplant und dann tatsächlich gebaut wurde, stellte Prof. Dr.-Ing. Sabine Bock, Schwerin, in ihrem Vortrag in Wort und Bild dar.

 

Klöndör-Foren 2011

23. Februar: Dudel den Dudel, wat hest in din Sack…
Der Volkskundler Dr. Ralf Gehler vom Museum Hagenow sprach über „Die Geschiche der Sackpfeife von der Antike bis zur Gegenwart“. Er stellte die Wurzeln und die Verwandten dieses mecklenburgischen Volksmusikinstruments vor. Archivquellen, Abbildungen, archäologische Funde und erhaltene Instrumente verknüpfte er zu seinem unterhaltsamen Vortrag.

27. April:  „Prillwitzer Idole“ – eine spektakuläre Kunst- und Geschichtsfälschung im 18. Jahrhundert
Als im Jahre 1872 auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Wilhelm Ahlers der Neubrandenburger Museumsverein entstand, geschah dies mit dem Ziel, Sachzeugnisse der Geschichte zu sammeln und der Öffentlichkeit in einer Ausstellung zugänglich zu machen. Es geschah aber auch, um historisch interessierten Bürgern ein Diskussionsforum zu geben sowie Fragen der regionalen Geschichte zu reflektieren. Eine Frage bewegt bis heute die Historiker und Laienforscher in und um Neubrandenburg besonders: Wo lag Rethra?
Rethra ist ein Heiligtum, das slawische Stämme, nachdem diese im 7. Jh. in unsere Region eingewandert waren, errichteten. Es gehörte zu den Stämmen der Tollenser und Redarier und wurde von beiden als religiöser Mittelpunkt angesehen. Bei Rethra versammelten sich die Slawen im Jahre 983, um die Vorposten christlichen Glaubens in Havelberg und Brandenburg zu zerstören. Es wurde das Orakel befragt, ob der Feldzug erfolgreich sein kann.
Vermutet wird Rethra am Südende des Tollensesees.
Rund 100 Jahre vor der Museumsvereins-Gründung hatten pfiffige Bürger in Neubrandenburg, die Brüder Sponholz, bereits behauptet, sie hätten slawische Götterfiguren von Rethra in ihrer Sammlung, die in Prillwitz zutage getreten wären. Lange Zeit glaubten viele an die Echtheit der Figuren. Die „Prillwitzer Idole“ sind aber eine Fälschung, vielleicht sogar Kunstwerke aus der Phantasie der Sponholz-Brüder. Jetzt sind sie Anregung für den Künstler Daniel Spoerri, eigene Prillwitzer Idole zu gießen.
Der Tempelort Rethra ist noch nicht gefunden, aber die Suche danach ist eine große Hilfe, das Land rund um den Tollensesee zu entdecken und zu genießen.  Dr. Rolf Voß vom Regionalmuseum Neubrandenburg gab einen Überblick.

20. Juli: Margrits Welten – Poesie und Magie einer Puppenspielerin
In einer Sonderausstellung im Freilichtmuseum in Mueß entführt Margrit Wischnewski in eine bunte, phantasievolle Welt. Die Figuren und Requisiten zu ihren Vorstellungen hat sie mit Liebe, Leidenschaft und Kreativität selbst gefertigt. Wie aus der Lehrerin eine Puppenspielerin wurde, erzählte sie im Klöndör-Forum.

28. September: Mecklenburgische Flurnamen
Dieter Greve, langjähriger  Leiter des Schweriner Stadtvermessungs- und Katasteramtes, hat in den letzen Jahrzehnten umfangreiche Recherchen zu Flurnamen in Westmecklenburg durchgeführt. Die von ihm speziell für die Regionen Schwerin, Boizenburg, Zarrentin, Wittenburg und die Lewitz untersuchten Flurnamen gehören zu den Toponymen. Das sind Bezeichnungen für topographische Gegenstände, zu denen außer den Flurnamen auch die Orts- und die Gewässernamen zählen. Die Flurnamen sind ein wichtiges Kulturgut. Sie spiegeln ein Stück der volkskundlichen Überlieferung eines Territoriums wider. In vielen Fällen erinnern sie an historische Ereignisse, verbunden mit Sagen. Auffalllend sind die regionalen Unterschiede in der Verbreitung einiger Flurnamen, speziell auch zwischen ländlichen und städtischen (Schwerin, Boizenburg, Wittenburg) Feldmarken.
In seinem gerade im Thomas-Helms-Verlag erschienenen sechsbändigen Flurnamenatlas hat Dieter Greve die Flurnamen kartiert und gedeutet. Im Vortrag wurden einige Aspekte zur Bedeutung der Flurnamen erläutert und anhand von Beispielen werden Möglichkeiten und Probleme bei der Deutung von Flurnamen aufgezeigt.

30. November: Alles mit Platte? Das Bauen in Schwerin zwischen 1961 und 1989
Nicht nur aus heutiger Sicht verbindet sich mit Architektur in der DDR die Vorstellung vom industrialisierten Bauen. WBS 70 zwischen Suhl und Sassnitz und natürlich auch in Schwerin… Doch wurden tatsächlich nur Plattenbauten errichtet? Der Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Sabine Bock aus Schwerin gab Antwort.

 

Klöndör-Foren 2012

29. Februar: Der Tracht treu geblieben!
Olaf Both, Leiter des Volkskundemuseums in Schönberg, stellte in seinem Vortrag das traditionelle Bekleidungsverhalten – das Tragen von Tracht – anhand verschiedener Quellen und historischer Fotografien vor. Bei den Forschungen zum Thema konnte festgestellt werden, dass vor allem im ehemaligen Amt Rehna wesentlich länger Tracht getragen wurde als im übrigen Mecklenburg. Es gab nach 1900 bis etwa 1910 noch ungefähr 20 weibliche Personen der bäuerlichen Schicht, die als Trachtenträgerinnen im Kirchspiel Rehna, speziell in Bülow, nachgewiesen werden können.

Warum sich die Bäuerinnen dieser Region in ihrem Bekleidungsverhalten von den Bäuerinnen in anderen Teilen Mecklenburgs unterschieden, das war eine der Fragen, die durch zahlreiche Abbildungen aus den volkskundlichen Museen Mecklenburgs und aus Privatbesitz Erläuterung fand. Zudem machte der Referent auf die unterschiedlichen Trachtenelemente aufmerksam, die zu unterschiedlichen Anlässen zum Einsatz kamen.

25. April:   Lichtspiele für die Heimat. Filmtheater im Krieg
Referent: Axel Attula, Leiter der Kloster- und Stadtgeschichte im Deutschen Bernsteinmuseum Ribnitz-Damgarten
Jeder Film ist so politisch wie die Zeit, in der er gezeigt wird. Im Zuge der technischen Entwicklung und eines rasanten Durchbruchs des Tonfilms in den 1930er-Jahren gewann das Kino als Unterhaltungs- und Informationsstätte zunehmend an Bedeutung. Mit neuen Produktionen und Angeboten stieg der Bedarf an Zuschauerplätzen, wobei auch die politische Entwicklung ihre Zeichen setzte. Am 22. Dezember 1936 wurde Mecklenburgs größtes Lichtspielhaus, das Schweriner „Capitol“, eröffnet. Bauherr und Geldgeber waren Willi Dürrkop, die UFA und das Propagandaministerium. Der Film sei nicht nur Mittel zur Volksaufklärung, sondern diene auch der Geschmacksbildung im deutschen Volke, konstatierte dazu der Landesstellenleiter des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, Sondermann, in der Festrede.
Das Kino wurde zum zentralen Instrument der Propaganda, Suggestion und Geisteslenkung.
Zwischen 1933 und 1945 wurden in Deutschland 1094 Filme produziert und uraufgeführt. Die wenigsten waren vordergründig politisch ausgerichtet; Wertvorstellungen und Handlungsweisen wurden in populären Unterhaltungsfilmen vermittelt. Ergänzt wurden die Kinoprogramme durch Beiträge der Ufa-Tonwoche, ab 1940 „Deutsche Wochenschau“, und den Kulturfilm.
Der Referent rekonstruiert beispielhaft das Programm der Städte Ribnitz und Damgarten vom 1. September 1939 bis zum 26. April 1945. Bisher unveröffentlichte Archivbestände werfen Schlaglichter, die oft den strahlenden Filmgesichtern ihren Glanz nehmen und die exemplarisch für alle Filmtheater – und überhaupt für das Verständnis dieser Zeit stehen.

26. September:   Die Photographische Gesellschaft Schwerin (1925 – 1943)
Referent: Volker Janke, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Freilichtmuseum für Volkskunde Schwerin-Mueß
Schwerin und Mecklenburg nehmen in der Geschichte der Fotografie in Deutschland einen durchaus beachtenswerten Platz ein.  Der Schweriner Theatermaler Schnelle und der Bildhauer Petters erwarben einen der ersten sechs nach Deutschland gelieferten daguerrschen Apparate. Beide fertigten damit bereits 1839 die ersten für Mecklenburg nachweisbaren Daguerreotypien an.
Der Kaufmann L. G. Kleffel eröffnete 1860 in Goldberg eines der ersten „Photographischen Lehrinstitute“. Drei Jahre zuvor hatte er mit dem „Handbuch der praktischen Photographie“ eines der angesehensten Fotografie-Lehrbücher seiner Zeit veröffentlicht. Schließlich erlangte der Rostocker Gymnasiallehrer Wolfgang Baier (1889-1968) mit seinen „Quellendarstellungen zur Geschichte der Fotografie“ eine international anerkannte Stellung in der Fotografie-Geschichtsschreibung.
2012 feiert der Verein MV-Foto seinen 20. Geburtstag. Allerdings datiert der Beginn des fotografischen Vereinswesens in Schwerin schon wesentlich früher. Am 28. April 1925 fand in den Räumen des „Casinos“ die Gründung der „Vereinigung der Lichtbildfreunde“ statt, später in „Photographische Gesellschaft Schwerin“ umbenannt. Erwähnt wird das vorherige Bestehen eines Amateurphotographenvereins.
In seinem Vortrag erläutert der Referent die besonderen Sehweisen und fotografischen Interpretationsmöglichkeiten von ambitionierten Freizeitfotografen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Freilichtmuseum in Schwerin-Mueß bewahrt in seiner Sammlung den fotografischen Nachlass des langjährigen Gesellschaftsvorsitzenden Franz Müschen sowie die Arbeiten weiterer Vereinsmitglieder auf. Die aus über eintausend Fotografien und zahlreichen Begleitdokumenten bestehende Kollektion ist eine Schatzgrube für die Fotografie-Geschichtsschreibung in Schwerin.

28. November:  Franz Nieske (1866-1934). Ein Hofmaurermeister und Kommissionsrat in Schwerin
Referent: Christian Nieske, Hannover
In seinem neuen Buch: »… habe ich mir einen bedeutenden, festen Kundenkreis erworben« – Der Weg einer Mecklenburger Handwerkerfamilie in den Jahren 1790 bis 1950 – beschreibt Christian Nieske, welchen Einfluss die seit dem Mittelalter bestehenden Handwerkszünfte noch um 1800 auf das Berufs- und Privatleben ihrer Mitglieder nahmen. Gleichzeitig wird der Entwicklung Rechnung getragen, die das Handwerk langsam aus den Beschränkungen des Zunftalltags löste und schließlich 1869 zur Aufhebung des Zunftzwangs führte. Unter diesen veränderten Bedingungen gelang einigen Handwerkern der Aufstieg nicht nur zum Hofhandwerker, sondern auch zum selbstständigen Unternehmer. Illustriert wird dieser Aufstieg durch deren einflussreiche Tätigkeit in Berufsverbänden wie Handwerkskammer, Berufsgenossenschaft oder Innung sowie in städtischen Einrichtungen wie Feuerwehr, Sparkasse oder Bürgerausschuss. Diese positive Entwicklung endete zumeist durch die Weltwirtschaftskrise und die beiden Weltkriege.
Der Referent berichtete über seinen aus Warin stammenden Großonkel Franz Nieske, der in dritter Generation das Maurerhandwerk erlernte und später in Schwerin mit Erfolg ein Baugeschäft betrieb. Bereits zu Beginn seines Berufslebens war er beteiligt an der Errichtung von Schloss Wiligrad und der späteren Lutherstraße in Schwerin. In späteren Jahren wurde Franz Nieske nicht nur mit dem Bau von Privathäusern beauftragt, sondern auch mehrerer öffentlicher Gebäude. Ebenso trat er als Bauunternehmer in Erscheinung.

 

Klöndör-Foren  2013

27. Februar: Donnerbesen, Bauerntänze und Rauchkaten
Referent: Horst Stutz, Schwerin
Horst Stutz war jahrzehntelang ehrenamtlicher Denkmalpfleger im einstigen Kreis Gadebusch und hat als Leiter einer Interessengemeinschaft dazu beigetragen, das Rauchhaus Möllin bei Gadebusch zu rekonstruieren. Sein Vortrag ist der traditionellen Volksbauweise in Westmecklenburg gewidmet und zeigt die besondere Stellung des sogenannten Ratzeburger Bauernhauses in der Hauslandschaft Mecklenburgs.
Keine andere Region weist so typische Dekorelemente wie z.B. Blitzband, Mühle, Lebensbaum u.a. an den Giebelwänden auf. Der Begriff Bauerntänze für ein Fachwerk stammt übrigens von dem berühmten Arzt Rudolf Virchow, der bei Wanderungen in Ostholstein und Westmecklenburg diesen Schmuck häufig an den Hausgiebeln sah. Noch sind in einigen Dörfern des Kreises Nordwestmecklenburg sehenswerte Bauernhäuser erhalten. Herr Stutz hat mit Lichtbildvorträgen, Exkursionen und Publikationen zur Popularisierung dieser dörflichen Baudenkmäler beigetragen.

24. April: Klump: Rohstoff – Baustoff – Kunstwerk in der Griesen Gegend
Referent: Henry Gawlick, Direktor des Museums in Hagenow
Gegenstand des Vortrags war die vielfältige Nutzung von Raseneisenstein im Landstrich zwischen Hagenow im Norden, Dömitz im Süden, Neustadt-Glewe im Osten und Lübtheen im Westen Südwestmecklenburgs. Anhand zahlreicher historischer und aktueller Fotos bot Henry Gawlick einen unterhaltsamen Einblick in die wechselvolle Geschichte des einheimischen Rohstoffs „Klump“ von der römischen Kaiserzeit bis zur Gegenwart. Eine prähistorische „Ofensau“, der „Hohe Ofen“ in Neustadt-Glewe, die künstliche Ruine im Schlosspark zu Ludwigslust, das „Apenhus“ des Herrn von Treuenfels auf Benz, die schmucken Häuslerkaten und der Sanierungsdrang der Bauern um 1850, die Trockenentschweflung von Braunkohlegas und vieles mehr wurde beleuchtet.

25. September: Vom Euter ins Regal. Zur Geschichte von Milch, Butter und Co. in Mecklenburg
Referent: Dr. Reno Stutz, Historiker aus Rostock
Rückständig! Ein Vorwurf, der Mecklenburg und Vorpommern nicht selten trifft, insbesondere wenn man ins 19. Jahrhundert schaut. Betrachtet man die Verfassung, das Schulwesen oder die Verhältnisse der Landarbeiter, so mag solch ein Vorwurf seine Berechtigung haben. Was aber die Landwirtschaft im Allgemeinen und das Molkereiwesen im Speziellen angeht, dürfte diese Formulierung als überholt anzusehen sein.
Manch eine verdienstvolle Persönlichkeit ist in den letzten Jahrhunderten schlichtweg vergessen worden. So auch Johann Colerus, Magister und Prediger zu Rostock, Doberan und Parchim. 1605 legte er den letzten Teil eines sechsbändigen Werkes über die Land- und Hauswirtschaft vor, das bis zum 19. Jahrhundert, also ca. 300 Jahre lang, die Basis des landwirtschaftlichen Wissens in Deutschland darstellte. Pioniergeist auch hier: Landwirte der Insel Poel gründeten 1865 die erste Genossenschaftsmolkerei des Landes.
Neu datiert werden muss auch der Beginn der Trockenmilchherstellung in Deutschland. Nach wie vor gilt der Amerikaner Gail Borden als Erfinder solch einer Milch, die er 1850 erstmals gewann. Doch fünf Jahre später begann bereits ein namentlich nicht bekannter Landwirt in Nienhagen bei Teterow in Deutschland mit der Trocknung von Milch. 1876 gelang es, den deutschen „Milchgott“ Wilhelm Fleischmann aus Bayern nach Raden zu holen. Für ein Jahrzehnt wurde dieses kleine Dorf zwischen Teterow und Güstrow der „Nabel der Milchwelt“. Hunderte Molkereifachleute reisten aus aller Herren Länder an, um sich hier die neuesten Erkenntnisse anzueignen.
Heute existieren in Mecklenburg und Vorpommern nur noch ein halbes Dutzend großer Milchverarbeitungsbetriebe. Einst gab es jedoch fast 300 kleine und kleinste Molkereien. Sie überzogen das Land wie ein Netz. Allerorts fuhren auf „Milchwegen“ mit Kannen beladene Milchwagen. In den Dörfern standen vor jedem Bauerngehöft Milchböcke. Der Milchkutscher lud die vollen Kannen früh morgens auf seinen Wagen und brachte sie zur Molkerei.  Auf dem Rückweg stellte er die mit Magermilch gefüllten  Kannen wieder ab.
Der Industrialisierung und Globalisierung ist auch der Molkereistandort Schwerin zum Opfer gefallen. Im Vortrag wird er zumindest in Wort und Bild wieder zum Leben erweckt.

27. November: Von pulverisierten Krebsaugen zu Antibiotika. Aus 750 Jahren mecklenburgischer Apothekengeschichte
Referentin: Brigitte Birnbaum, Schriftstellerin aus Schwerin
Seit wann existieren überhaupt Apotheken in Mecklenburg? Wo wurde die erste gegründet? Nicht in Schwerin. Nicht in Rostock… Wer war der erste apothecarius in Mecklenburg? Apotheker war lange Zeit ein Handwerksberuf. Allerdings waren die apothecarii nicht zunftpflichtig, denn es gab zu wenige in mecklenburgischen Landen.
Studieren? Wo hätten sie zunächst im Norden studieren sollen?
Und wer weiß heute noch, was ein Kruderer war und wie viele Ingredienzen im Theriak – diesem Allheilmittel des Mittelalters – vermischt sein mussten? Und dass ein Apothekerpfund mit 12 Unzen = 360 Gramm zu berechnen war?
Noch so manches lässt sich entdecken, auch mecklenburgische Apotheker, die zu Weltbedeutung gelangten.
Antwort auf all diese Fragen und noch mehr gibt die Schweriner Schriftstellerin Brigitte Birnbaum in ihrem Vortrag mit dem vielversprechenden Titel „Von pulverisierten Krebsaugen zu Antbiotika“. Die Referentin, die nach dem Abitur in Gadebusch eine Ausbildung zur Apothekenhelferin absolvierte und in einer Hagenower Apotheke arbeitete, bevor sie sich endgültig der Literatur zuwandte, hat sich intensiv mit der Geschichte des mecklenburgischen Apothekenwesens befasst. Neues, Interessantes und Unterhaltsames daraus brachte sie den Besuchern des Klöndör-Forums zu Gehör.

 

Klöndör-Foren 2014

02. April: Zeigt her eure Kleider – Eine kulturgeschichtliche Dokumentation zur Kinderkleidung in Mecklenburg und Vorpommern von 1860 bis 1960
Referentin: Alice Peterich, Historikerin aus Trappenkamp
Frühe Fotografenporträts aus der Zeit um 1860 präsentieren Kinder in einer Garderobe, die dem aufwendigen und verspielten Charakter der Epoche des 2. Rokoko verpflichtet ist. Ihre Kleidung ist wenig kindgemäß und kopiert ausschließlich die Mode der Erwachsenen.
Um 1900 nimmt die Kinderkleidung erste Reformbestrebungen aus England auf, die für die Kleinen eine ihrem Alter entsprechende leichte und bequeme Kleidung favorisieren. Sie wenden sich gegen die Einschnürung des Rumpfes und der Glieder. Insbesondere die Stuttgarter Firma von Wilhelm Bleyle kreiert 1889 einen strapazierfähigen Matrosenanzug, der dehnbar und bequem anzuziehen ist.
Enorme Zweckmäßigkeit zeichnet die Kleidung der 1920er-Jahre aus. Sie ist Vorbild für eine eigene Kinderkultur, deren Maßstäbe heute noch zum Teil von Bedeutung sind. In der Nachkriegszeit herrscht großer Mangel an Stoffen, an Nähgarn und an Wolle, um Sachen für die Jungen und Mädchen anzufertigen. Deshalb schneidern, stricken und häkeln ihre Mütter und Großmütter selbst und verwenden alte, abgetragene Sachen, um daraus „neue“ Kleider, Röcke, Hosen und Hemden zu zaubern.
Auch in den 50er-Jahren werden Kindersachen selbst hergestellt – oder von einer Schneiderin genäht. Bis 1956 ist konfektionierte Kinderkleidung nur mit Punktekarten oder in den überteuerten „HO“-Geschäften zu haben. Deshalb werden die Kinder angehalten, ihre neue Kleidung zu schonen, sie wird nur für „Gut“ angezogen, während sie zum Spielen und Herumtoben im Freien in bereits abgetragene Sachen schlüpfen.
Um dem Thema der historischen Kinderkleidung und ihrer kulturellen Bedeutung näher zu kommen, sichtete die Historikerin und Museologin Alice Peterich zahlreiche Fotografennachlässe in Museen, Archiven und bei Privatpersonen und dokumentierte Zeitzeugenerinnerungen.

10. September: Eleonore Prochaska – eine Frau in den Befreiungskriegen
Referent: Axel Kahrs, Lüchow

19. November: Das Geld im Kopf – Schätze und Schatzsagen aus volkskundlicher Sicht
Referent: Prof. Dr. Niklot Klüßendorf, Amöneburg
Ein Goldstück, das beim Jäten des Salatbeets ans Tageslicht kommt, eine Kasse aus dem SiebenjährigenKrieg, von der am Ort ältere Leute erzählten, ein Beutel, der beimUmbau aus einem Balken fällt, mit Münzen, die niemand mehr kennt. In solchen Momenten begegnet der moderne Mensch dem Geld älterer Zeiten. Viele dieser Entdeckungen werden nicht von Denkmalpflegern oder Archäologen gemacht, sondern von Laien bei Arbeiten aller Art in Haus und Flur.
Die Finder stehen dann vor einem hochrangigen Zeugnis einer Geschichte, die sie kaum kennen, vor Werten aus Gold und Silber, die sie für unermesslich halten. Viele wissen dann nicht, was zu tun ist. Wem gehört das Geld? Wie geht man damit um? Soll man schweigen oder andere an der Freude über den unerwarteten Reichtum Anteil nehmen lassen ? Pressemeldungen bringen Unsummen ins Spiel: Für eine 400 Jahre alte Münze würde ein amerikanischer Millionär Tausende Dollars bezahlen.
Berichte über Münzfunde und die sich daraus ergebenden Geschichten gibt es seit dem Mittelalter. Darin begegnen uns Menschen im Denken, Fühlen und Handeln – in der Grauzone zwischen großem Glück und oft großen Problemen, die aus diesem Ereignis kommen. Das Thema von altem Geld, das als Schatz ans Tageslicht kommt, tangiert viele wissenschaftliche Disziplinen, so fast alle Zweige der Geschichte, Archäologie und Denkmalpflege, die Rechtswissenschaft und die Volkskunde – sowohl die gegenständliche als auch den Zweig, der sich mit Volksüberlieferungen befasst.
Vor dem Hintergrund vergleichender Landesgeschichte führt der Referent, Professor für Numismatik und Geldgeschichte an der Philipps-Universität Marburg, in diese Thematik ein. Seine Erfahrungen mit Münzfunden, so im Rheinland, in Thüringen, Böhmen und Mecklenburg, gehen bis in die 1960er-Jahre zurück. Von 1980 bis 2006 war Prof. Klüßendorf Münzfundpfleger für das Land Hessen. Seine Arbeiten zogen über die konkreten Münzen hinaus Verbindungen zum Denken der Beteiligten. Darin sind Aspekte volkstümlicher Überlieferungen vertreten, die sic hin unterschiedlichsten Quellen durch die Geschichte ziehen. Denn: Geld war und ist überall – und im Denken des Menschen gerade dann, wenn es ihm im eigenen Beutel fehlt.
Lesetipp: Niklot Klüßendorf und Siegfried Becker: Notgroschen und sagenhafte Schätze – Fundnumismatik und Volkskunde, in: Hessische Blätter für Volks- und Kulturforschung, NF 27, 2011, S.167 – 194

 

Vorträge 2015:

28. Januar: Repräsentatives Wohnen in Schlossnähe
Das Villenensemble Werderstraße 125 bis 141 in Schwerin
Referentinnen: Sabine Kahle, Berlin, und Friederike Thomas, Stralsund
Der Vortrag der beiden Kunsthistorikerinnen beleuchtet die Entstehung der Annastraße ab 1858, heute Werderstraße zwischen Altem Garten und Großem Moor, und schließt die Errichtung der Villen in den Jahren 1862 bis 1865 ein.
Die Referentinnen gehen auf Bauherren und Entwurfsverfasser ebenso ein wie auf die Vorstellungen des Großherzogs von der Bebauung unmittelbar gegenüber dem Schloss und seine Absprachen mit dem Magistrat.
Neben den vielfältigen Fassadenlösungen werden Einblicke ins Innere der Villen mit einer Vielzahl historischer Ausstattungselemente gewährt.
Der Vortrag findet in Kooperation mit der Landeshauptstadt Schwerin statt und steht im Rahmen der Veranstaltungen zum Antrag auf Aufnahme des Schweriner Residenzensembles in das Weltkulturerbe der UNESCO.

25. Februar: Feldprediger im Ersten Weltkrieg
Referent: Axel Attula, Ribnitz-Damgarten
Der Vortrag widmet sich den mecklenburgischen Pfarrern, die ihren Dienst als Feldgeistliche im Ersten Weltkrieg verrichteten. Axel Attula, Stadthistoriker im Deutschen Bernsteinmuseum in Ribnitz-Damgarten, fand im Archiv hundert Jahre alte Berichte, in denen mecklenburgische Feldgeistliche von ihrer Arbeit an den Fronten des Weltkriegs berichten.
„Jahraus, jahrein unter den kümmerlichsten Verhältnissen in Erdlöchern, Unterständen, oder dürftigen Quartieren hausen, eingesetzt, abgelöst, in Ruhe exerzieren und wieder exerzieren. Täglich aus der Feldküche essen, unter der Last des Gepäckes die staubige Straße marschieren, immer unter dem gleichen Druck der Disziplin, immer aufs neue in dieselbe Todesgefahr, der ein Kamerad nach dem anderen erliegt, so ohne Ende, ohne Hoffnung auf einen baldigen Frieden“, so fasste der als Feldgeistlicher eingesetzte Parchimer Pfarrer Joachim Schlüter im Herbst 1918 seine Fronterlebnisse zusammen.
Von 1914 bis 1918 wurden aus Mecklenburg-Schwerin insgesamt achtzehn Zivilgeistliche in den militärkirchlichen Dienst entsandt. Die meisten standen nur für einige Monate bis zu zwei Jahren, drei jedoch den gesamten Kriegszeitraum im Feld. Mecklenburg-Strelitz entsandte ebenfalls sechs Pfarrer in die Militärseelsorge.In Berichten hatten sie ihren vorgesetzten Stellen über ihre Arbeit Rechenschaft zu geben.
So berichteten sie aus Lazaretten und Verbandplätzen gleich hinter der Front, aus Belgien, Frankreich, Polen und Russland, von den Kämpfen in der Champagne und vor Verdun, von Beerdigungen, die wegen der hohen Anzahl der Toten kaum zu bewältigen waren, und von der Pflege der Soldatengräber an russischen Feldrainen, von letzten Wünschen und Briefen, braven mecklenburgischen Familienvätern, Alkoholexzessen und ihrem Streiten gegen die Dirnen hinter der Front. Bejubelt wurden erste Siege, Besuche des Landesherrn und des Kaisers, auch patriotische Vorträge hat man gehalten. Hoffnungen auf ein religiöses Erwachen verbanden sich mit nüchterner Realität. Die Berichte waren in ihrer Entstehungszeit auch unmittelbare Informationsquelle, die von den vortragenden Mitgliedern des Oberkirchenrats bei den regelmäßigen Zusammenkünften dem Großherzog vorgelegt wurden, der sie in vielen Fällen mit großem Interesse zur Kenntnis nahm

25. März: Die Schweriner Küchengärten
– 300 Jahre Gartentradition für Herzöge und Bürger
Referenten: Katja Pawlak und German Knaak, Schwerin
Die Küchengärten waren stets ein wichtiger Bestandteil herrschaftlicher Gartenkultur. In Schwerin lag der Küchengarten einst innerhalb des Lustgartens, aus verschiedenen Standorten etablierte sich im 19. Jahrhundert der Hofküchengarten am Franzosenweg. Diese Entwicklung und die Nutzungen des Areals nach 1945 – Stadtgärtnerei, Bundesgartenschaugelände – thematisiert der Vortrag.

21. April: Das Kriegsende 1945 im Westen Mecklenburgs
Referentin: Ramona Ramsenthaler, Schwerin
Die Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin nimmt zum Ausgangspunkt ihres Vortrags zum 70. Jahrestag der Befreiung die Einrichtung der KZ-Außenlager im Westen Mecklenburgs.
Es folgt ein kurzer Überblick über die Todesmärsche in der Region, die militärische Situation Ende April/Anfang Mai zwischen Parchim, der Elbe, Ludwigslust, Hagenow und Schwerin und die Begegnung der Alliierten in der Region. Anhand von Zeitzeugenberichten, historischen Fotos und Filmaufnahmen (überwiegend der 82. US-Luftlandedivision) wird sie die Situation am 2. Mai 1945 zwischen Ludwigslust und Schwerin, die Befreiung der KZ-Außenlager, die Bestattungen der Opfer an zentralen Plätzen und die Einrichtung der Kriegsgefangenenlager in dieser Region darstellen.
Im August 2014 wurde in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin die neue interaktive Dauerausstellung „Zehn Wochen KZ Wöbbelin“ zum letzten Außenlager des KZ Neuengamme eröffnet. Durch die Recherchen sowie Kontakte zu Angehörigen von Opfern des KZ Wöbbelin und zu Archiven in den USA sind in den vergangenen Jahren viele neue Quellen, u.a. Fotos, Dokumente, Interviews und Filmaufnahmen in die Sammlung der Mahn- und Gedenkstätten gelangt. Eine Auswahl wird im Rahmen des Vortrags gezeigt.

27. Mai: Beisetzungen und Grablege der großherzoglichen Familie 1842 bis 1922
Referent: Dr. Bernd Kasten, Schwerin
Noch heute stehen Geburt oder Tod von Monarchen bzw. Mitgliedern regierender Königshäuser selbst im seit 1918 republikanischen Deutschland immer wieder im Blickpunkt der Öffentlichkeit und sind ein großes Thema für die Medien. Dass dies kein Gegenwartsphänomen ist und auch im Mecklenburg des 19. und 20. Jahrhhunderts große Aufmerksamkeit fand, wird der Leiter des Stadtarchivs Schwerin in seinem Vortrag aufzeigen.
Die wichtigste Aufgabe eines mecklenburgischen Großherzogs war die Pflicht zur Repräsentation. Von der Wiege bis zur Bahre galt es, den Untertanen ein Schauspiel zu bieten, das ein Bild von Würde und Glanz der Krone vermittelte. So war auch der Tod eines Fürsten keine private Tragödie, sondern ein öffentliches Ereignis. Die Beisetzungsfeierlichkeiten waren äußerst aufwändig und erstreckten sich nicht selten über mehrere Tage. Vor diesem Hintergrund kam natürlich auch den Begräbnisorten in der landesherrlichen Repräsentation eine besondere Bedeutung zu. So bildet die Grablege in der Heilig-Blut-Kapelle im Dom heute zu Recht einen zentralen Ort des Schweriner Residenzensembles, mit dem sich die Stadt bei der UNESCO als Weltkulturerbe bewirbt.

23. September: Frachtfuhrleute auf allen Wegen
Referent: Herbert Remmel, Pinnow
Immerhin waren es Frachtfuhrleute, die bis zur Einführung der Eisenbahn nahezu über ein Jahrtausend hinweg die gesamte landseitige Logistik Europas bewegten – zu Fuß mit Pferd und Wagen und über hunderte Kilometer hinweg. Dabei mussten sie dutzende Grenzen überwinden, sich in Münzen und Gewichten, mit Waren und Währungen auskennen. Sie mussten Lesen, Schreiben und Rechnen können. Niemand sonst ging so gekonnt mit Pferd und Wagen um, mit Schmerpott, Splintenkieker und Bremsknecht wie sie. Und nur der Frachtfuhrmann konnte ohne Zügel, nur mit der Fuhrmannspeitsche ein sechsspänniges, mit 50 Zentnern beladenes Frachtfuhrwerk sicher führen und lenken. Der illustrierte Vortrag gibt einen spannenden Einblick in das Fuhrmannsleben über die Jahrhunderte.

28. Oktober: Erbprinzliche Wohnkultur im Herzogtum Mecklenburg-Schwerin
Referent: Kunsthistoriker Nico Janke, Schwerin
Wie lebten und wohnten die Mecklenburger Erbprinzen Friedrich Ludwig und Paul Friedrich am Beginn des 19. Jahrhunderts in Schwerin und Ludwigslust? Heiratete der potentielle Thronfolger, standen nicht nur große Festlichkeiten ins Haus, sondern auch immense Geldausgaben, um dem zukünftigen Regentenpaar ein angemessenes Residieren zu ermöglichen. Das Alte Palais am Schweriner Alten Garten (heute Landtagsverwaltung) sowie ein Appartement im Schloss Ludwigslust wurden im Inneren höchst prächtig umgebaut. Nico Janke öffnet die Türen zu einer beinahe vergessenen Wohnkultur in der Zeit vor und nach den Franzosenkriegen.

25. November: Wolf und Mensch
– Die Geschichte einer Jahrtausende alten Beziehung
Referent: Dr. Robert Sommer, Kiel
Wölfe etablieren sich mit derzeit etwa 30 Rudeln zunehmend wieder in Deutschland. Die Rückkehr dieses großen Raubtiers in zum Teil stark vom Menschen umgestaltete Ökosysteme ruft in der Gesellschaft sehr unterschiedliche Reaktionen hervor. Damit die Menschen unabhängig von „Befürwortern oder Gegnern“ der Verbreitung von Wölfen eine unbefangene eigene Sichtweise entwickeln können, ist Aufklärung bzw. Bildung zu diesem Thema ein sehr wichtiger Punkt. Dazu möchte der Vortrag beitragen.
Es gab bereits vor 300.000 Jahren Wölfe im Gebiet des heutigen Deutschland, was die Ausgrabungen in der weltberühmten Fundstätte in Schöningen (Niedersachsen) belegen. Dort lebte der Vorfahr der Neandertaler, Homo heidelbergensis, in einer Fauna mit Wölfen. Ob Eiszeit oder Warmzeit – immer waren Wölfe Teil der Umwelt des Menschen. Dann wanderte der moderne Mensch aus Afrika nach Europa, und es kam vor über 30.000 Jahren zum Beginn einer Co-Evolution dieser beiden Arten, die die Welt verändert hat. Unsere Haushunde sind aus der Domestikation des Wolfes hervorgegangen, die nach neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen schon eher stattfand, als wir bisher angenommen haben. Neben den rein „vorgeschichtlichen“ wissenschaftlichen Fakten über die Naturgeschichte des Wolfes und des Menschen sind auch interessante Details aus der historischen Zeit bekannt. Bemerkenswert sind unter anderem auch die Techniken und Jagdmethoden, die in damaliger Zeit von den Menschen genutzt wurden, um die Wölfe zu bekämpfen. Dazu werden jüngst wiederentdeckte, durch die Arbeit des Volkskundemuseums Schwerin zur Verfügung gestellte originale Wolfsangeln nach Jahrhunderten erstmalig wieder der Öffentlichkeit präsentiert.
Der Referent Dr. Robert Sommer stammt aus Schwerin, studierte in Rostock Biologie und forscht und lehrt als Privatdozent an der Universität Kiel im Bereich Tierökologie und Paläobiologie. Seit dem Jahr 2000 führte er Lehrtätigkeiten an den Universitäten Rostock, Greifswald, Kiel und Potsdam sowie am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie (Leipzig) mit den Themen Zoologie, Tiergeographie, Umweltgeschichte, Tierökologie, Naturschutz und Umweltplanung durch. Ab dem Wintersemester 2015/16 lehrt er an der Universität Rostock im Bereich “Biodiversität, Natur- und Artenschutz“. 

 

Vorträge 2016:

27. Januar
Das Institut für Lehrerbildung Schwerin-Paulshöhe
Film mit Kurzvortrag
Referent: Jörg Moll, Stadtarchiv Schwerin
Im Mittelpunkt des Abends steht ein Film, der 1963 über das zehn Jahre zuvor auf Paulshöhe errichtete Schweriner Lehrerbildungsinstitut gedrehte wurde. Er zeigt den Alltag und die Ausbildung der angehenden Lehrer am Institut. Der Referent wird dazu Erläuterungen geben und aus der Geschichte des Instituts berichten.

24. Februar
Der Bien und seine Kulturgeschichte
Referent: Dr. Mirko Lunau, Imkerei und Mosterei Ahrensboek
Bienen gibt es schon sehr lange auf der Erde – viel länger als die Menschen. Doch die Entwicklungsgeschichte der Bienen und Menschen ist seit rund 10.000 Jahren sehr eng miteinander verknüpft. Man kann aus heutiger Sicht ohne weiteres von einer schicksalhaften Verbindung sprechen. Inzwischen wird in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen, dass es den Bienen schlecht geht. Häufig realisieren wir aber nicht, dass das auch tiefgreifende Konsequenzen hat, nicht nur für die ImkerInnen weltweit, sondern für unsere Landschaften, unsere Lebensmittel, für jeden Einzelnen von uns, ganz konkret und vor Ort. In seinem Vortrag skizziert der Referent die Entwicklung der Bienen. Er zeigt anhand von einzelnen Beispielen Kulturbeziehungen zwischen Bienen und Menschen auf. Insbesondere wird er erläutern, wie sich die Beziehung zwischen Bienen und Menschen im Lauf der Zeit verändert hat. Zum Schluss wird die Frage gestellt, wo wir heute stehen und wohin uns die Beschäftigung mit den Bienen in Zukunft führen kann.

23. März
Der Püsserkrug – eine Gaststätte macht Geschichte(n)
Referent: Dr. Wolfgang Leist, Schwerin
Über drei Jahrhunderte hat diese Gaststätte die Lokalgeschichte begleitet. In dieser Zeit hat sie sich von einer verrufenen Spelunke weit vor den Toren Schwerins zum – so die Eigenwerbung um 1900 – „beliebtesten Sommerbelustigungsort der Schweriner“ am Rande der Stadt gewandelt. Mit dem Zweiten Weltkrieg begann der Niedergang des Kruges, der dann für andere Zwecke genutzt wurde, verfiel und 1979 abgerissen wurde. Aber neben mancher Anekdote beleuchtet die Geschichte des Püsserkruges zugleich die Zeitgeschichte der Region. Vom Dreißigjährigen Krieg über die Franzosenzeit bis zur DDR – jede Epoche hinterließ im oder in der Nähe des Kruges ihre Spuren.

27. April
Fin de Siècle in der Provinz. Die Heimatbewegung in Mecklenburg zwischen 1900 und 1914
Referent: Jakob Schwichtenberg, Rostock
Neben einer Fortschrittseuphorie prägte die oftmals als Bedrohung empfundene zunehmende Urbanisierung das ausgehende 19. Jahrhundert. Ein Ausweg schien die kulturelle, künstlerische und geistige Rückkehr zu den vermeintlichen Wurzeln zu sein – zur Heimat.
In beiden mecklenburgischen Großherzogtümern entstanden zahlreiche Vereine zur Pflege des Plattdeutschen und zum Natur- und Denkmalschutz. Die Arbeit dieser Vereine wird im Mittelpunkt des Vortrags von Jakob Schwichtenberg stehen.

18. Mai
Begraben, aber nicht vergessen: die Marienschwestern
Benefizvortrag zugunsten der Sanierung ihrer Grabstätte auf dem Alten Friedhof
in Kooperation mit dem Förderverein Alter Friedhof Schwerin e.V.
Der vor sechs Jahren gegründete Förderverein Alter Friedhof Schwerin e.V. möchte in diesem Jahr die Gemeinschaftsgrabanlage der Marienschwestern auf dem sogenannten “Schwesternberg” sanieren. Auf der Anlage wurden seit 1917 etliche Krankenschwestern des Schweriner Marienkrankenhauses, der späteren Poliklinik in der Röntgenstraße, beigesetzt. Die steinerne Umfassungsmauer muss dringend saniert werden. Für diese Arbeiten sucht der Verein Sponsoren und Unterstützer.
Im Internet: http://alterfriedhofschwerin.de/

25. Mai
Von Wiligrad bis Bangkok. Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg (1857-1920)
Referent: Dr. Bernd Kasten, Stadtarchiv Schwerin
Herzog Johann Albrecht gehörte zu den wenigen Mecklenburgern, die in der deutschen Politik eine wichtige Rolle spielten. Als Regent von Mecklenburg-Schwerin (1897-1901) und Braunschweig (1907-1913) und langjähriger Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft war er eine Persönlichkeit von großem Einfluss. In Wiligrad ließ er ein eindrucksvolles Schloss errichteten und gern bereiste er auch den Fernen Osten. Seine politischen Überzeugungen waren freilich ebenso nationalistisch wie rassistisch. Er trug erheblichen Anteil an dem Weg, der Deutschland in den Ersten Weltkrieg führte, und am Scheitern aller Friedensbemühungen in den Jahren vor 1918.

Sommerpause von Juni bis August

28. September
Der offizielle Blick. Das SVZ-Bildarchiv in Schwerin
Referent: Volker Janke, Freilichtmuseum für Volkskunde Schwerin-Mueß
Das SVZ-Foto-Archiv öffnete vor kurzem erstmalig seine Kästen und Schränke. Darin sammelten sich in Jahrzehnten etwa 300 000 Fotografien an. Das medienhaus:nord, der Zeitungsverlag für die Schweriner Volkszeitung, bewahrte dieses einzigartige Fotoarchiv aus nahezu 100 Jahren Verlagsgeschichte. Der Verlag überließ diesen Archivbestand dem Freilichtmuseum für Volkskunde Schwerin-Mueß zur ständigen Aufbewahrung und Aufbereitung.
„Wir werden viele Jahre benötigen, um diese Fotosammlung zu digitalisieren und Jahrzehnte, um diesen regionalgeschichtlich wertvollen Schatz wissenschaftlich aufzuarbeiten“, begeistert sich Volker Janke, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums. „Was da in Kästen und Schränken so viele Jahre vor sich hin gilbte, tritt nun ans Tageslicht und liefert uns die Perspektiven der jeweiligen Pressefotografen in ihrer Zeit. Das ist deshalb so spannend, weil ein Auftragsfoto oft das enthält, was politisch und aktuell gefordert oder erwartet wurde. Bilder wurden schon immer manipulierend eingesetzt.“
Neben ihrem dokumentarischen Wert besitzen diese Pressefotos aber auch andere Facetten: Motiv, Ästhetik, aktuelle Moden. Der offiziell gewollte Blick überschneidet sich mit der ganz profanen Perspektive eines angestellten Fotografen, vielleicht ein Familienvater, ein Leichtfuß oder stiller Denker. Und dann gab es ja noch die Auswahl: So viele Fotos von einem Ereignis. Doch welches dieser Bilder wird in der Zeitung gedruckt, widerspiegelt am besten das, was ausgesagt werden soll?
Seit dem 9. Juli 2016 zeigt eine Sonderausstellung im Freilichtmuseum mit dem Titel: „Der offizielle Blick – Bildjournalismus und sein regionalgeschichtlicher Wert“ an Hand exemplarischer Beispiele einen Querschnitt durch das Archiv. Volker Janke, der Kurator dieser Schau, erläutert in seinem Vortrag den Entstehungszeitraum, der sich über mehrere politische Systeme erstreckt, und unternimmt Interpretationsversuche zu den verschiedenen Blickwinkeln der jeweiligen Fotografen.
Zum Beispiel: Was passiert eigentlich, wenn man mehrere Fotografien zu einem Thema aus unterschiedlichen Zeiten und von verschiedenen Fotografen nebeneinander hängt und analysiert? Gibt es sogar noch die originalen Zeitungsberichte dazu? Diese und viele andere Chancen der Deutung unserer regionalen Geschichte bietet eines der größten Bildarchive des Landes auf besondere Weise. Damit liefert es dem Mueßer Volkskundemuseum auch für künftige spannende Ausstellungsprojekte großes Inspirationspotenzial.

26. Oktober
Stehvermögen. Das Lenin-Denkmal in Schwerin
Referent: Dr. Andreas Röpcke, Schwerin
Bleibt er oder bleibt er nicht? Diese Diskussion gibt es in Schwerin seit dem Ende der DDR. Bis heute hat er „Stehvermögen“ bewiesen: Wladimir Iljitsch Uljanow (1870-1924), genannt Lenin.
Er provoziert immer noch und seine Gegner wollen ihn „entsorgen“. Wie in allen anderen Städten der ehemaligen DDR. Denn der Schweriner Lenin ist tatsächlich der letzte. Beide Seiten haben gute Gründe und diese in zahlreichen Diskussionen immer wieder ausgetauscht. Nach jahrelanger Diskussion entschied dann aber die Schweriner Stadtvertretung: Lenin bleibt, aber sein Denkmal erhält 2007 eine Erläuterungstafel, die auf die von ihm begangenen oder angeordneten Verbrechen hinweist. Und er bildet auch damit noch immer einen Stein des Anstoßes zur historischen und politische Diskussion in Schwerin.
In dem Referat geht es nicht um die Wiederbelebung der Diskussion, sondern Dr. Andreas Röpcke, ehemaliger Direktor des Landeshauptarchivs in Schwerin, verfolgt im ersten Teil den Weg von der Denkmalidee bis zur Enthüllung 1985, wobei einige Aufmerksamkeit auf den estnischen Künstler Jaak Soans gerichtet wird (der keineswegs tot ist, wie Schweriner Gerüchte behaupten). Im zweiten Teil wird die Auseinandersetzung um den Verbleib des Standbilds nach 1990 strukturiert und nachvollzogen mit offenem Ende…

25. November
Das Museum des Ruhms. Im Depot vergessen?
Fundstücke zur sowjetischen 94. Garde-Mot. Schützendivision Schwerin
Referent: Hartmut Winterfeldt, Schwerin
Die einen sprechen von einer historischen Kostbarkeit, die anderen von wertlosem Propagandakitsch, wenn es um das erhaltene Schweriner Traditionskabinett der russischen Militärstreitkräfte geht.
Zu den ersteren gehört Hartmut Winterfeldt, der als Verbindungsoffizier der Bundeswehr zu den sowjetischen Truppen im Verteidigungsbezirk 86 in Schwerin, die ganz besonderen Geschichten kennt, die sich hinter den Fundstücken des Traditionskabinettes verbergen.
Als ein in Vergessenheit geratener Erinnerungsort, lagert das originale Militärmuseum der Sowjetarmee, derzeit gut verpackt in einem Schweriner Museumsdepot.
Es wurde während der Besatzungszeit, von 1945 bis 1993, innerhalb des Kasernenkomplexes in der Schweriner Johannes-Stelling-Straße eingerichtet und aktiv gepflegt.
Unter der Regie des damaligen Kulturoffiziers schufen talentierte Soldaten Wandtafeln, Monumentalbilder, Porträtzyklen und Installationen zur Darstellung der heroischen Geschichte der Sowjetarmee und der eigenen Division. Die Mittel und Möglichkeiten waren gemeinhin begrenzt. Umso mehr bestechen die volkskünstlerischen Werke gerade durch ihre Kreativität und Meisterschaft, die in der Tradition alter Handwerkstechniken, wie Punzierungen, Schnitzereien und Hinterglasmalereien stehen.
Als die russischen Truppen nach insgesamt 48 Jahren Stationierung in Schwerin abgezogen wurden, übernahm das Historische Museum Schwerin das vollständig erhaltene Traditions-Museum der 94. Schützendivision der russischen Armee. Es sollte museal aufgearbeitet und präsentiert werden. Dazu fehlen allerdings bis heute Mittel und Ausstellungsflächen.
Hartmut Winterfeldt hat mehrfach die magazinierten Objekte begutachtet und immer wieder den kulturhistorischen Wert der Sammlung betont. Doch nur das Wissen um die zeitspezifischen Zusammenhänge macht die Objekte wertvoll und spannend. Genau hier setzt der Vortrag an.