Historische Tierhaltung im Freilichtmuseum
Das Freilichtmuseum in Mueß bietet die Möglichkeit, das Zusammenleben von Mensch, Tier und Natur in Ihrer Zeit umfassend zu veranschaulichen.
In diesem großen Kontext können die Besucher sensibilisiert werden, dass dieses veranschaulichte Zusammenleben und Wirtschaften ein geschlossener Kreislauf im Takt der Jahreszeiten war. Hier kann verstanden werden, wie und warum die Menschen so gelebt haben und welches umfangreiche analoge Wissen sie besitzen mussten, um aus dem vorgegebenen Kreislauf des Jahres ihr Überleben zu sichern. Ressourcen waren zur damaligen Zeit knapp und ein wertvolles Gut. Wie eng dieses mit dem großen Thema Nachhaltigkeit und dem rücksichtsvollen Umgang mit Natur und Tier unserer Zeit verwoben ist, kann hier in unmittelbarer Nähe zum städtischen Leben eindrücklich gezeigt werden und als ein „Magnet“ für ganzheitliche Bildung von Kindern und Erwachsenen genutzt werden.
Eine optimale Wissensvermittlung geschieht mit dem „Begreifen“, dem Wahrnehmen mit allen Sinnen. Dazu braucht es im Freilichtmuseum neben historischen Gebäuden und Gerätschaften auch die bäuerlichen Nutztiere. Diese helfen durch ihre unmittelbare Anwesenheit, komplexe und manchmal „trockene“ Themen ins Leben zu bringen und erfahrbar zu machen.
Als Beispiel sei hier die derzeitige Führung „Mit Huhn und Schaf durchs Jahr“ genannt. Es können einfache Fragen und komplexe Zusammenhänge bei einem Gang durch das Museum erläutert werden. Vom Unterschied zwischen Heu und Stroh über die verschiedenen Getreidesorten bis hin zum “Regenmantel der Tiere” kann ein Einblick in Sichtbares und Unsichtbares gegeben werden. Es wird anhand der Nutztiere, die zu den alten Haustierrassen gehören, Wissen vermittelt, wie diese Tiere im Jahreslauf gehalten wurden, warum die Menschen diese Tiere gehalten haben, welches umfangreiche Wissen sie über Tiere haben mussten und welches Wissen sie über die Natur hatten. Es kann anhand der Frage, warum alte Haustierrassen überhaupt vom Aussterben bedroht sind, erläutert werden, welche Rolle unsere heutigen Konsumwünsche spielen, zu welchen Haltungsbedingungen diese führen, aber auch, warum eine Weidehaltung so selten geworden ist.
In der Führung wird ebenso erklärt, welche große Menge Heu für den Winter geerntet werden musste, wie mit der Sense Heu geschnitten wurde, wo es gelagert wurde und wofür eigentlich Heureuter gut waren. Dabei wird dem Besucher ebenfalls nahegebracht, welchen großen Einfluss das Mähen mit der Sense nicht nur auf das Heu, sondern auch auf das Ökosystem Wiese (Insekten, Pflanzen und Bodenleben) im Vergleich zum Rasenmäher hat, selbst so einfache Dinge wie der Unterschied zwischen Stroh und Heu, die verschiedenen Getreidearten und warum Tierhaare fettig sind
Diese vielfältigen Eindrücke können einen wertvollen Bildungsbeitrag leisten, um nachdenklicher und respektvoller auf Pflanzen und Tiere zu blicken.
Derzeit werden im Freilichtmuseum folgende Nutztiere gehalten:
Hühner
Seit 6 Jahren leben im Museum ca. 12 „Rebhuhnfarbene Italiener“, die sich frei auf dem Museumsgelände frei bewegen können und sich dort sehr wohl fühlen. Ihr Verhalten lässt sich gut beobachten, wie z.B. das Schutzverhalten des Hahnes, Verhalten bei Gefahr, die Rangfolge, das Brüten, das Anlernen des Nachwuchses und die Mauser.
Schafe
Seit 4 Jahren leben im Freilichtmuseum gehörnte Gotlandschafe, die auch als Guteschafe bezeichnet werden. Sie leben ganzjährig auf eingezäunten Flächen, nach dem Wechselweide- und Portionsweideprinzip. Dieses ermöglicht den Tieren eine stabile Gesundheit, vermeidet starke Geruchsbildung und verleiht den Grünflächen eine regelmäßige Grünpflege ohne Überweidung. Damit leisten diese Weidetiere einen großen Beitrag zur Wiederherstellung und Erhalt der Artenvielfalt auf den Grünflächen. Gut zu beobachten sind z.B. Herdenverhalten, Geburt und Aufwachsen von Lämmern, Fellwechsel, Scheren mit Hand, Heu-Mahd mit Sense, Aufstellen und Nutzung von Heureutern.

