Der Bienenstand des Demeter-Imkers Lunau

Das Apidrom auf einer Wiese im Freilichtmuseum

Der Bienenstand auf einer Wiese im Freilichtmuseum

Wesensgemäße Erwerbsimkerei – ein Widerspruch in sich oder: Wie wichtig sind uns die Bienen?

Bienen sind hochentwickelte Insekten, die sich in der Erdgeschichte zusammen mit den Blütenpflanzen entwickelt haben. In einem Bienenvolk leben und arbeiten mehrere tausend Individuen miteinander. Sie vollbringen gemeinsam enorme Leistungen. In jeder Saison werden tausende Nachkommen erzeugt, ernährt und in verschiedenen Aufgaben ausgebildet. Reinigen des Stocks, Füttern des Nachwuchses, Bewachen des Fluglochs, Sammeln von Pollen und Nektar und vieles mehr gehören dazu. Einige hundert Kilogramm Nektar werden von April bis September in einem Gebiet von ca. 30 km² um den Stock herum gesammelt und in Honig verwandelt. Die Energie, die in dieser Substanz steckt, wird für die Ernährung der Brut, für die Erzeugung von Wachs und für die Produktion von Wärme im Winter benötigt. Möglich sind diese Leistungen nur, weil sich Bienen ständig dynamisch an

Imker Dr. Mirko Lunau

Imker Dr. Mirko Lunau

den Lauf der Jahreszeiten anpassen. Sie reagieren auf  Veränderungen ihrer Umwelt. Sie können sogar differenziert miteinander kommunizieren. So hat sich innerhalb von Millionen Jahren mit dem Bienenvolk ein sozialer „Superorganismus“ herausgebildet, der in uns Staunen, Respekt und Ehrfurcht wecken kann.
Die moderne Imkerei reduziert die Bienen hingegen sehr häufig auf einen Aspekt – die Produktion von Honig. Daraufhin werden Betriebsweise und Umgang mit den Völkern optimiert.

Seit ungefähr 25 Jahren wird jedoch versucht, sich den Bienenvölkern auch erlebend gegenüberzustellen. Die daraus resultierenden Erfahrungen und Erlebnisse werden in eine zukunftsfähige Imkerei eingebracht – der Ansatz der wesensgemäßen Bienenhaltung. Wesensgemäße Bienenhaltung ist dabei keine Betriebsweise, sondern ein Prozess.

Durch die genaue Beobachtung der Lebensäußerungen des „Bien“, wie wir den Organismus Bienenvolk auch nennen,  und den Versuch, gesunde und angemessene Lebensbedingungen für unsere Bienen zu schaffen, verändert sich der Fokus und damit die Aufgaben des Imkers. In der wesensgemäßen Bienenhaltung wird z.B. die natürliche Fortpflanzung der Bienen über das Schwärmen zugelassen und begleitet.

Versteht man den Bien als einen Gesamtorganismus, dann sind die Königin, die männlichen Drohnen, die weiblichen Arbeitsbienen und das Wabenwerk aus Wachs Ausdruck von besonderen Qualitäten. Innerhalb eines derart komplexen und dynamischen Lebewesens kann man nicht ohne Folgen manipulieren.

In der wesensgemäßen Imkerei sterben die Königinnen eines natürlichen Todes. Zuvor hat das Volk die Entscheidung für eine neue Königin getroffen und diese herangezogen. Fremde Zuchtköniginnen kommen nicht zum Einsatz.

Drohnen, die männlichen Bienen, werden als integraler Bestandteil eines Volkes und nicht als Begattungsmaschinen oder Milbenmagnet verstanden.

Das Wabenwerk als strukturierender Ort des Stoffwechsels, des Brutgeschehens und der Kommunikation wird im Naturwabenbau von den Bienen selbst hervorgebracht und nicht durch eine geprägte Mittelwand aus Altwachs vorgegeben.

Für die Gesundheit und Vitalität der Bienen ist es wichtig, dass die Bienen auf ihrem Honig überwintern und nicht der gesamte Honig geerntet und durch raffinierte Industriezucker als Winterfutter ersetzt wird.

Alle diese Maßnahmen – wie Standbegattung und Verzicht auf Zuchtköniginnen, Schwarmimkerei, Drohnenaufzucht, Naturwabenbau und eine maßvolle Ernte – haben aus Sicht des Imkers einen gehörigen Nachteil: Sie kosten Honig!

Da der Honigpreis aufgrund des hohen Anteils von Hobbyimkern in Deutschland und massiven  Importen aus dem Ausland eh schon sehr niedrig ist, kann sich ein Berufsimker eine wesensgemäße Imkerei eigentlich nicht leisten. Es sei denn, wir finden gemeinsam neue Ideen, Konzepte und Wege, wie wir uns als Gesellschaft eine zukunftsfähige Imkerei vorstellen und umsetzen möchten. Dazu lade ich Sie herzlich ein!

Weitere Informationen über Bienen finden Sie an der nächsten Station oder bei

Mirko Lunau
Mosterei und Imkerei Ahrensboek
Dorfstraße 5B
19067 Cambs-Ahrensboek
Tel. 0152 33791570
info@melimalum.de

 

Beutensteckbrief 

Name: US-Dadant, Berufsimkerbeute
gebräuchlich seit: etwa 1920
Erfinder: Charles Dadant (1817 bis 1902), modifiziert von Pierre Camil Dadant (1851 bis 1938)
Rahmenmaß: 445 x 285 mm
Funktionsweise: Magazinbeute mit großen Waben (breiter als hoch), Oberbehandlung
Vorteile: einheitlicher Brutraum, Platz für große Völker, reiche Honigernte, leichte Handhabung
Nachteile: Gedrängtes, ellipsoides Brutnest, Absperrgitter notwendig, um Brut im Honigraum zu unterbinden