Zeidlerei – Bienen als Höhlenbewohner

Der hohle Kirschstamm wurde von einem Bienenvolk bevölkert.

Der hohle Kirschstamm wurde von einem Bienenvolk bevölkert.

Die Bienen wohnen eigentlich in Felsspalten oder hohlen Bäumen. In dieser vor Witterung und Feinden schützenden Höhlung bauen sie ihr eigenes Wabenwerk – ein geometrisches und funktionelles Wunderwerk. An eine Bienenhaltung im Wortsinn war noch nicht zu denken. Der Mensch ging zu den Bienen, kletterte in die Höhe, um Honig zu ernten. Im Mittelalter wurde die Zeidlerei zur eigenen Zunft mit einem Schwerpunkt im Nürnberger Raum.  Streitfragen wie die, wem der Honig zusteht, wem der Schwarm gehört oder der Baum,  führten dazu, dass wichtige Impulse aus der Imkerei auf das Rechtsleben Einfluss nahmen. Das Privatrecht wurde differenzierter. Dem einfallsreichen Menschen dürfte es irgendwann zu beschwerlich gewesen sein, zur Honigernte auf hohe Bäume zu klettern. Zunächst wurden wohl tiefer gelegene  Baumstämme ausgehöhlt und mit Bienenvölkern besiedelt. Diese sogenannte Klotzbeute konnte man dann sogar hinter dem eigenen Gartenzaun sicher aufstellen. Der Schritt zum beweglichen Bienenkorb war nicht mehr weit.

Im südlichen Ural wird die traditionelle Zeidlerei heute noch praktiziert. Dort gibt es einen großen Erfahrungsschatz im Umgang mit der Baumbienenhaltung. Die Schwärme ziehen ohne menschliche Einflussnahme in die Baumhöhle ein. Sie errichten ihr Wabenwerk ohne vorgepresste Mittelwände. Und vor allem, die Bienen dürfen auf ihren Honigvorräten überwintern. Nur überschüssige Honigvorräte werden an den unteren Wabenenden vom Zeidler geerntet. Seit nunmehr zwei Jahren werden auch in Deutschland von der Vereinigung für wesensgemäße Bienenhaltung „Mellifera e.V.“ Zeidelkurse angeboten und mit Erfolg durchgeführt. Norbert Poeplau schrieb zum Thema: „… aktuelle Forschungsarbeiten (geben) Hinweise darauf, dass wild lebende Honigbienenkolonien ohne Behandlung besser mit Varroamilben überleben, als ihre mit Säure und anderen Chemikalien behandelten Artgenossen in imkerlicher Obhut“. (Biene Mensch Natur, 28/2015) 
Von der Natur lernen ist die Devise, die der Biene und damit uns allen hilft.