Imkerei im 19. und 20. Jahrhundert

Ein Bienenschauer mit aus Stroh geflochtenen Bogenstülpern

Ein Bienenschauer mit aus Stroh geflochtenen Bogenstülpern

Das 19. Jahrhundert ist geprägt von zahlreichen Neuerungen zur Steigerung des Honigertrags. Zunächst war es die Erfindung beweglicher Holzrähmchen durch Baron August von Berlepsch im Jahr 1853. Mit ihr entwickelte sich die Einsicht, nicht immer und zwangsläufig das ganze Bienenvolk bei der Honigernte abzutöten. Diese Praxis wurde mit der Korbimkerei, insbesondere in der Lüneburger Heide, noch bis weit in das 20. Jahrhundert ausgeübt. 1858 wurde die vorgeprägte Mittelwand aus Bienenwachs erfunden, die wiederum den Bau der Waben beschleunigte und die Honigausbeute erhöhte. Die Hinterbehandlungsbeute kennt zahlreiche Spielarten, die im östlichen Deutschland insbesondere für Wanderwagen, aber auch für Bienenstände gern genutzt wurden. Im Westen Deutschlands arbeitete man seit den 1970er-Jahren vermehrt mit Magazin- oder Oberbehandlungsbeuten. Man schätzt, dass sich der Honigertrag im Zuge der Entwicklung vom Korb zum Magazin, das inzwischen in ganz Deutschland gebräuchlich ist, etwa verdreifachte.

Erreicht wurde das, weil der Mensch mehr und mehr in die natürliche Entwicklung des Bienenvolks eingriff. Mit dem Ziel der Ertragssteigerung wurde vieles ausprobiert. Neben der kompletten Entnahme des Honigs und Wintereinfütterung mit Zucker reichen die gezielten Manipulationen des Imkers von der Unterdrückung des Schwarmtriebs durch das gezielte Abtöten der Königinnenbrut über das Fernhalten oder Vernichten der männliche Bienen bis zur stetigen Verkleinerung des Brutraums. Letztere Maßnahme bewirkt eine vollständige Verlagerung der Vorräte in den Honigraum. Der Honig ist so leichter zu ernten.

Ausfahren der Bienenkörbe

Ausfahren der Bienenkörbe

 

Eine Statistik des Imkervereins Schwerin für 1951 belegt, dass hier 136 Mitglieder 1821 Bienenvölker in Hinterbehandlungsbeuten gehalten haben. Nur zwei Imker hielten ein Jahr zuvor noch acht ihrer Völker in Körben. Heute gehört Mecklenburg-Vorpommern, nach den jährlichen Erhebungen des Deutschen Imkerbundes, zu den Bundesländern mit der geringsten Imker- und damit Bienendichte in Deutschland!