Klöndör-Forum

Ein Anliegen des Vereins ist es, ein breites Publikum für die mecklenburgische Volkskultur zu interessieren und das Wissen darum lebendig zu halten. Diesem Anliegen diente auch die Vortragsreihe „Klöndör-Forum“, die ab 2015 als „Forum Geschichte und Volkskunde“ gemeinsam vom Klöndör-Verein und dem 2014 gegründeten Historischen Verein Schwerin e.V. weitergeführt wird. Die Vortragsreihe widmet sich historischen Themen der Stadt- und Regionalgeschichte und dem Alltagsleben der Menschen im früheren Mecklenburg-Schwerin.

Alle Vorträge finden im Schleswig-Holstein-Haus, Puschkinstraße 12, 19055 Schwerin, statt. Beginn ist – sofern nicht anders angegeben – jeweils 19.00 Uhr. Der Eintritt beträgt 2,00 Euro, Vereinsmitglieder haben freien Eintritt.

Einen Eindruck von der außerordentlichen Themenvielfalt der bisherigen Foren erhalten Sie im Archiv.

Vorträge 2017:

18. Januar
Ansichtssachen – Die Bildersammlung zur Stadtgeschichte
Referent: Norbert Credé, Stadtgeschichtliche Sammlung Schwerin
Die Bildersammlung umfasst neben einer umfangreichen Sammlung an Fotografien, Ansichtskarten und Kalendern vor allem Druckgrafik, Handzeichnungen und Gemälde aus verschiedenen Jahrhunderten, darunter Ansichten der Stadt, aber auch Werke von Künstlern aus Schwerin oder in Schwerin gemalte Arbeiten.  Nun ist eine stadthistorische Sammlung keine Kunstsammlung, aber dennoch stellt das Sammeln künstlerischer Arbeiten einen für die Stadtgeschichte bedeutenden Bereich dar. Schließlich waren es oftmals Künstler, die das Bild der Stadt festhielten, interpretierten und vor allem aber verbreiteten. Und genau um solche Bilder, die das Stadtbild Schwerins oder einzelne Bauwerke wiedergeben, wird es in dem Vortrag gehen.
Nach einer kurzen Einführung in die Grundlagen der Sammlung und ihren Aufbau folgt die Vorstellung einzelner Bilder. Dabei wird sich der Referent auf Gemälde und Drucke aus allen Jahrhunderten beschränken, aber von der realistischen Wiedergabe des Stadtbilds bis zur künstlerischen Auseinandersetzung mit ihm im Stil der jeweiligen Epoche wird alles exemplarisch vertreten sein. Ebenso wie die Darstellung Schwerins wandelten sich die Intention der Künstler und die Techniken, aber auch das Publikum stellte im Lauf der Zeit andere Ansprüche.

15. Februar
Zur Geschichte der Schweriner Stadtbibliothek
Referent: Markus Rein, Rein-Design Schwerin
Markus Rein, Mitbegründer und Mitglied im Freundeskreis der Stadtbibliothek Schwerin e.V., hat sich intensiv mit der Entstehung und Entwicklung einer öffentlichen Bibliothek in Schwerin beschäftigt und dazu 2015 eine Chronik vorgelegt. An diesem Abend wird er seine Forschungsergebnisse in einem bebilderten Vortrag vorstellen.
Der Bedarf für eine öffentliche Bibliothek war schon im 19. Jahrhundert in Schwerin gegeben. Eine erste Stadtbibliothek existierte aber nur von 1863 bis 1879.  Erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts entstand mithilfe der Volksbibliotheksbewegung und der Lehnrat-Kuetemeyer-Schenke-Steinickeschen Stiftung im Stiftungsgebäude an der August-Bebel-Straße eine gut bestückte und viel genutzte Volksbücherei. Mit Veränderung der Machtverhältnisse nach dem Ersten Weltkrieg entbrannten unter den Schweriner Stadtvertretern neue Diskussionen um den Aufbau einer „Allgemeinen Öffentlichen Bücherei und Lesehalle“.  Die Bibliothek wurde dann mit Unterstützung von Vereinen und Verbänden 1922 eröffnet. Danach entstanden auch einige Zweigstellen in den Stadtteilen. Ihre Blütezeit hatte die Schweriner Stadtbibliothek zu DDR-Zeiten, als die Wissenschaftliche Allgemeinbibliothek des Bezirkes Schwerin entstand.

22. März 
Die Lewitz – Eine Kulturlandschaft im Wandel
Vortrag mit Foto- und Video-Schau
Referent:
Ralf Ottmann, Lewitz-Ranger aus Neustadt-Glewe
Schilf wiegt sich im Wiesenstrom, Baumriesen knarren im Wind, Nebelschwaden legen sich schwer und mystisch in die Landschaft. Majestätisch durchschreitet ein Hirsch sein Revier. Ohrenbetäubend erhebt sich tausendfach ein Vogelschwarm. Im Südwesten Mecklenburgs, direkt vor unserer Haustür, liegt diese Naturperle, die Lewitz. Der Referent nimmt Sie mit auf einen Streifzug durch die riesige und einzigartige Wiesenlandschaft mit ihren Wäldern, Wasserläufen und idyllisch gelegenen Städten und Dörfern.
Nachdem der größte Teil des Urwalds gerodet war, entstand hier die größte zusammenhängende Wiesenlandschaft im nordöstlichen Deutschland. Diese nutzten die Bauern zum Heu machen und Werben von Nassfutter. Ende des 19. Jahrhunderts gruben die Bauern erste Fischteiche in die noch vorhandenen Sumpfwiesen. Bis 1958 schufen Fischer insgesamt 32 Fischteiche, die heute die größte zusammenhängende Teichlandschaft Europas bilden. Ein ca. 800 Hektar großes blaues Mosaik gilt nun als Eldorado der Karpfenzucht.
Um größere Holzmengen zu flößen und Güter auf dem Wasser transportieren zu können, zähmten die Menschen die Flüsse Elde und Stör und bauten diese Fließgewässer zur Müritz-Elde-Wasserstraße aus. Neben dem Störkanal entstanden weitere Kanäle als Bestandteil eines über 900 km langen Gewässernetzes.
Auch die Vogelwelt profitierte von der sumpfigen Niederungslandschaft. Balzende Kampfläufer, trillernde Brachvögel, tausende Kiebitze und andere Limikolen waren hier noch vor 100 Jahren überall zu beobachten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt die Lewitz als das bedeutendste Brutvogelgebiet in Norddeutschland.
Deshalb beherbergt die historisch gewachsene Kulturlandschaft Lewitz heute ein weit ausgedehntes Vogelschutzgebiet. Es dient einigen Vogelarten als Rast- und Überwinterungsterritorium. Nicht nur 256 Vogelarten, auch 450 Schmetterlingsarten, 13 Amphibienarten, 30 Libellenarten und mehr als 100 Pilzarten zeugen von lokal intakten Ökosystemen innerhalb der Lewitz, die es auch in Zukunft zu schützen gilt.

TIPP: 15. April bis 20. Juni 2017 – Sonderausstellung „Die Lewitz – Eine Naturperle in M.-V.“ im Freilichtmuseum Schwerin-Mueß

19. April
Kasernenanlagen in Schwerin
Referent: Udo Brinker, Ortschronist von Schwerin-Friedrichsthal
Mit der Rückverlegung der Residenz des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin von Ludwigslust nach Schwerin im Jahre 1837 wurde die Schweriner Garnison die größte in Mecklenburg. Infolge der Entwicklung des Militärs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs die Garnison, zahlreiche Kasernenbauten entstanden. In der relativ kurzen Herrschaft der Nationalsozialisten verdoppelte sich ihre Anzahl noch einmal.
Da die Schweriner Kasernen im Zweiten Weltkrieg unzerstört blieben, wählte die sowjetische Besatzungsmacht Schwerin als Garnison für die Rote Armee und beschlagnahmte alle Kasernen für sich. Zur Unterbringung von kasernierten deutschen Polizeieinheiten, aus denen 1956 die NVA gebildet wurde, mussten erneut Kasernen in Schwerin errichtet werden. Nach Ende des Kalten Krieges und der Reduzierung der Streitkräfte im wiedervereinten Deutschland räumte die Sowjetarmee ihre Kasernen. Damit entfiel die Verwendung zahlreicher militärischer Bauten, sodass viele abgerissen oder für eine neue, zivile Nutzung umgebaut wurden.
Bau, Nutzung und Rückbau der Kasernen bilden einen wichtigen Aspekt der Schweriner Geschichte. Diesen zu beleuchten, ist Ziel des reich bebilderten Vortrags von Udo Brinker.

17. Mai
Die Insel Kaninchenwerder als Bestandteil des Schweriner Welterbe-Antrags
Referentin: Steffi Rogin, Denkmalpflege Schwerin
Die Referentin stellt die Entwicklung der Insel als erste Auswertung historischer Quellen und als Überblick über den Bestands speziell des 19. und 20. Jahrhunderts vor.
Im Zusammenhang mit der touristischen Entwicklung und dem Ausbau der Insel im Schweriner See zu einem lokalen wie überregionalen Ausflugsort wird in einem Exkurs einer der Protagonisten, die „Gemeinnützige Gesellschaft zu Schwerin e.V.“, näher betrachtet. Diese Vereinigung von Schweriner Bürgern hat durch ihre Aktivitäten maßgeblich die Entwicklung des Fremdenverkehrs in Schwerin bis in die 1920er-Jahre hinein befördert..
1932 wird die Insel als eines der ersten Naturschutzgebiete in Schwerin und Umgebung ausgewiesen und seitdem findet die Bewertung der Insel unter wechselnden Vorzeichen statt: als Naherholungs- und/oder Naturschutzgebiet.
Die denkmalpflegerische Betrachtung basierte bis in die jüngste Vergangenheit eher auf partiellen Bearbeitungen der überlieferten wirtschaftlichen, baulichen und gärtnerischen Ausformung der Insel. Infolge der seit etwa 2010 einsetzenden Betrachtung der Schweriner Residenz als authentische historische Kulturlandschaft des 19. Jahrhunderts hat sich auch der Blick auf Kaninchenwerder erweitert und es gilt, die denkmalpflegerische Qualität des überkommenen Bestands unter der Perspektive seines Werts als kulturelles Erbe neu zu hinterfragen.
Der Vortrag soll weitere denkmalpflegerische Grundlagenarbeit anregen, unter anderem zu gartenkünstlerischen Aspekten der Anlagen auf der Insel, und zu einer ganzheitlichen, neue Perspektiven berücksichtigenden Beschreibung des Denkmalwertes der Insel führen.

Sommerpause

20. September
Die Sense hat uns satt gemacht. Zur Kulturgeschichte der Wiesen- und Getreidemahd
Referent: Dr. Ulrich Hampl, Bauernhofpädagoge aus Vilgertshofen-Pflugdorf

18. Oktober 
Feuer, Schwert und Galgen – Hinrichtungen in Schwerin vom 16. Jahrhundert bis 1814
Referent: Dr. Bernd Kasten, Stadtarchiv Schwerin

22. November 
Unterwegs mit Theodolit und Ochsenwagen. Landmesser – Hugo Voss in Deutsch-Südwestafrika (1908 bis 1919)
Referent: Klaus-Dieter Gralow, Archäologe, Filmer, Autor aus Bad Kleinen

TIPP: 24. Juni bis 29. Oktober 2017 – Sonderausstellung „Leberwurst unterm Kameldornbaum“ im Freilichtmuseum Schwerin-Mueß