Klöndör-Forum

Anliegen des Vereins ist es, ein breites Publikum für die mecklenburgische Volkskultur zu interessieren und das Wissen darum lebendig zu halten. Diesem Anliegen diente auch die Vortragsreihe „Klöndör-Forum“, die ab 2015 als „Forum Geschichte und Volkskunde“ gemeinsam vom Klöndör-Verein und dem 2014 gegründeten Historischen Verein Schwerin e.V. weitergeführt wird. Die Vortragsreihe widmet sich historischen Themen der Stadt- und Regionalgeschichte und dem Alltagsleben der Menschen im früheren Mecklenburg-Schwerin.

Alle Vorträge finden im Schleswig-Holstein-Haus, Puschkinstraße 12, 19055 Schwerin, statt. Beginn ist – sofern nicht anders angegeben – jeweils 19.00 Uhr. Der Eintritt beträgt 2,00 Euro, Vereinsmitglieder haben freien Eintritt.

Einen Eindruck von der außerordentlichen Themenvielfalt der bisherigen Foren erhalten Sie im Archiv.

Vorträge 2020:

29. Januar 2020
Bernd Kasten, Stadtarchiv Schwerin
Von Teufelswagen, Benzinkutschen und Ballonverfolgungen – Die Anfänge des Autoverkehrs in
Schwerin und Umgebung 1901-1918

26. Februar 2020
Sabine Bock, Schwerin
Herrenhäuser in Estland und Mecklenburg. Gemeinsamkeiten und Unterschiede innerhalb einer
historischen Kulturlandschaft im Ostseeraum

Schwerin und Tallinn sind seit 1993 offiziell Partnerstädte, doch die historische Gutslandschaft des Ostseeraums verbindet Estland und Mecklenburg schon seit Jahrhunderten. Reist man durch das wunderbare Land im Nordosten an der nordöstlichen Ostseeküste, fällt einem schnell die scheinbar vertraute Architektur auf. Und das ist nicht nur in der Hauptstadt Tallinn oder der Universitätsstadt Tartu so, das zeigt sich im ganzen Land und besonders auch an den Herrenhäusern.
Wie Mecklenburg war auch Estland seit dem 16. Jahrhundert ein Teil der historischen Kulturlandschaft des Ostseeraums, in der die großen Rittergüter die Landwirtschaft dominierten. Hinzu kommt, dass die meisten baltischen Rittergüter deutsche Besitzer hatten, deren Vorfahren oft schon Jahrhunderte vorher im Zuge der Christianisierung ins Land gekommen waren. Und obwohl das Land seither zunächst unter schwedischer, dann zwischen 1721 und 1919 russischer Herrschaft stand, änderte das nichts an den Besitzverhältnissen der Güter.
Es gibt den sarkastischen Spruch, dass Armut der beste Denkmalpfleger sei. Für die Zeit zwischen 1945 und 1991 enthält er aber in Estland wie in den meisten Ländern der sowjetisch dominierten Hemisphäre mehr als das berühmte Körnchen Wahrheit: Viele Herrenhäuser blieben umgenutzt erhalten und bergen viele historische Baudetails. Nach der Wiedergründung der Estnischen Republik sind seit 1991 zudem viele Herrenhäuser instandgesetzt worden, dienen heute den unterschiedlichsten Nutzungen und können meist besichtigt werden.
In ihrem Vortrag will Sabine Bock, die sich seit mehr als zwanzig Jahren mit der Architekturgeschichte der Herrenhäuser beschäftigt und inzwischen auch viele Male mit ihrem Mann, dem Fotografen Thomas Helms, in Estland unterwegs war, den Bestand in Estland mit aktuellen Fotografien repräsentativer Beispiele vorstellen und die große Verwandtschaft zu mecklenburgischen Häusern aufzeigen.

25. März 2020
Wolf Karge, Schwerin
Armenhaus, Pflegeheim, Frauenklinik und Bezirkshygieneinstitut – das „Haus Seeblick“ in der
Werdervorstadt

Tipp: 11. April bis 31. Oktober Sonderausstellung im Mueßer Kunstkaten
Walter Green, Bildhauer und Fotograf, Königsfeld und Klein Rünz
„Photographik – Vergessene Dinge – Beleuchtet von Walter Green“

29. April 2020
Gesine Kröhnert, Freilichtmuseum für Volkskunde Schwerin-Mueß
Wir sind 50. Das Freilichtmuseum zwischen Kontinuität und Wandel

27. Mai 2020
Jörg Moll, Stadtarchiv Schwerin
Das BAUHAUS in Schwerin – Betrachtungen zum Neuen Bauen

Die Foren im März, April und Mai mussten wegen der Corona-Krise ausfallen. Sie werden zu einem späteren Termin stattfinden.

30. September 2020
Katja Pawlak, Klassik Stiftung Weimar
Der Park und die Gutsanlage Wendenhof in Schwerin – ‚Bellevue’ am See
– verschoben

– dafür:
Jörg Moll, Stadtarchiv Schwerin
Das BAUHAUS in Schwerin – Betrachtungen zum Neuen Bauen

28. Oktober 2020
Angela Ziegler, Thünen-Museum Tellow
„Der Ertrag bleibt an den Rädern kleben.“ Johann Heinrich von Thünen (1783 – 1850) – ein
genialer Vordenker der Land- und Forstwirtschaft
verschoben aufgrund Corona-Krise

Johann Heinrich von Thünen (1783-1850) war ein Agrarwissenschaftler, Nationalökonom und Sozialreformer, dessen Schaffen bis in die Gegenwart hinein wirkt. Auf seinem Mustergut in Tellow bei Teterow, wo sich heute ein Museum befindet, dessen Leiterin die Referentin ist (https://www.thuenen-museum-tellow.m-vp.de/),verknüpfte er Erfahrungen der landwirtschaftlichen Praxis mit mathematischen Modellen. Damit wurde er zu einem der wichtigsten Wegbereiter der angewandten Forschung im Agrarbereich. 1830 verlieh ihm die Universität Rostock die Ehrendoktorwürde.
Seine produktions- und standorttheoretischen Überlegungen, in denen er die relative Vorteilhaftigkeit verschiedener Bewirtschaftungsweisen in Beziehung zur Lage der jeweiligen Absatzmärkte setzte, mündeten in das Modell der sog. „Thünen’schen Kreise“: Die unsichtbare Hand des Marktes führt dazu, dass sich in verschiedenen Regionen unterschiedliche land- und forstwirtschaftliche Produktionsverfahren herausbilden und auf diese Weise eine volkswirtschaftlich optimale Landnutzung entsteht.
Im Zuge der politischen Ereignisse des Frühjahrs 1848 setzte Thünen im April sein lange geplantes Gewinnbeteiligungsmodell für die Tellower Arbeiter in Kraft, das einige Punkte der späteren Sozialversicherung vorwegnahm.

6. November 2020 – ausgebucht
Wolf Karge, Schwerin
Armenhaus, Pflegeheim, Frauenklinik und Bezirkshygieneinstitut – das „Haus Seeblick“ in der Werdervorstadt

Karge referiert über ein Haus, zu dem er neue Forschungsergebnisse zusammengetragen hat. Vielen Schwerinern und vor allem Schwerinerinnen wird das Haus Bornhövedstraße 78 noch bestens als Frauenklinik bekannt sein. Etwa 40.000 Neugeborene erblickten hier das Licht der Welt.
Die Bezeichnungen für das markante Backsteingebäude und die Funktionen darin wechselten im Lauf der Geschichte. Doch immer hatte es irgendwie mit Medizin oder Sozialwesen zu tun. Errichtet wurde das Haus als Armenunterkunft und Pflegeheim, eine Funktion die es bis 1945 behielt.
Heute testet dort die Firma HygCen medizinische Produkte und hat viel vor mit dem Gebäude. Deshalb ist man seitens der Firma auch sehr an der Geschichte des Firmensitzes interessiert. Schon im vergangenen Jahr hat sie über einen öffentlichen Aufruf Fotos und Dokumente zusammengetragen. Zeitzeugen meldeten sich und konnten ihre Erinnerungen zur Hausgeschichte beitragen. Wolf Karge hat dann noch in Archiven weiter recherchiert und stellt an diesem Abend seine Ergebnisse zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit vor.

25. November 2020 – wegen Corona gestrichen
Mario Niemann, Universität Rostock
Beständiger Wandel. Leben und Arbeiten im ländlichen Mecklenburg von 1900 bis 2000

Für die Vorträge gelten die in der jeweils geltenden Landesverordnung MV vorgegebenen Pandemie-Schutzmaßnahmen. Besucherinnen und Besucher müssen Mund-Nase-Bedeckung tragen und den vorgeschriebenen Abstand halten.
Aufgrund der Abstandsbestimmungen ist die Zahl der Zuhörer begrenzt.